{"id":891,"date":"2019-10-21T14:35:44","date_gmt":"2019-10-21T14:35:44","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=891"},"modified":"2019-10-22T21:07:30","modified_gmt":"2019-10-22T21:07:30","slug":"helen-schuengel-straumann-klaus-berger-geist-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=891","title":{"rendered":"Helen Sch\u00fcngel-Straumann \/ Klaus Berger: Geist Gottes"},"content":{"rendered":"\n<p>Helen Sch\u00fcngel-Straumann&nbsp;\/&nbsp;Klaus Berger: <em>Geist Gottes<\/em>, Neue Echter-Bibel 12, W\u00fcrzburg: Echter-Verlag, 2017, 143&nbsp;S., \u20ac&nbsp;14,40, ISBN <a href=\"https:\/\/shop.echter.de\/geist-gottes.html\">978-3-429-02178-8<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das Buch\ngliedert sich in zwei \u2013 sehr ungleiche \u2013 Teile. Den ersten (13\u201363) verantwortet\ndie katholische Alttestamentlerin Helen Sch\u00fcngel-Straumann, die aus einer\n\u00fcberzeugt feministischen Perspektive schreibt und einen historischen Ansatz\nw\u00e4hlt. Der zweite (65\u2013130) stammt aus der Feder des Neutestamentlers Klaus\nBerger, der als katholischer Theologe einen systematischen Ansatz w\u00e4hlt. Ein\nkurzer \u201eDialog\u201c (133\u2013138), in dem jeder Verfasser zu dem Abschnitt des anderen\nStellung nimmt, schlie\u00dft das Werk.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00fcngel-Straumann\nbietet im ersten Teil \u201eSprachliche Beobachtungen\u201c (13\u201319). Zur Etymologie nimmt\nsie die Herleitung und Verwandtschaft von ruach und rewach (Weite) an, ohne\ndarauf einzugehen, wie aus dem Langvokal \u201au\u2018 bei ruach ein Konsonant \u201aw\u2018 bei\nrewach geworden sei. Den Sitz im Leben des Begriffs vermutet sie in der\nspezifisch weiblichen Erfahrung der sexuellen Erregung und der Geburt. Doch\nseien in der nachexilischen \u00dcberarbeitung \u00e4lterer biblischer Texte die\nspezifisch weiblichen Erfahrungszusammenh\u00e4nge verdr\u00e4ngt worden. <\/p>\n\n\n\n<p>Im\nzweiten Teil \u201eInhaltliche Aussagen\u201c (20\u201360) konzentriert sie sich auf\nAussagefelder im Bereich der Prophetie, der Sch\u00f6pfung und der weisheitlichen\nLiteratur. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfasserin\nweist darauf hin, dass es im AT zwar sieben bekannte Prophetinnen gab (21), von\ndenen allerdings nie gesagt ist, dass die ruach auf sie kam\/fiel.\nM\u00f6glicherweise liege es daran, dass \u201eeine weibliche Kraft mit einer Frau\nverbunden wird\u201c (21). \u2013 Und was ist mit den Propheten Natan, Ahija, dem Mann\nGottes (1K\u00f6n 13), ein Prophet (1K\u00f6n 20,1), Uria (Jer 26,20) und anderen, von\ndenen auch nie gesagt wird, dass die ruach auf sie kam? Offensichtlich ist der\nHinweis auf das feminine Element ein Suchen in der falschen Richtung. Was\nbesagt denn der explizite Hinweis auf ein Kommen des Geistes auf einen\nPropheten? Doch wohl nicht im exklusiven Sinne, dass das Fehlen der Bemerkung\ndas Fehlen des Geistes sei. Sind analog dazu nur die Propheten\/Prophetinnen\ngeistbegabt und berufen, die eine Berufungsgeschichte vorzuweisen haben? <\/p>\n\n\n\n<p>Unter\nden vorexilischen Propheten werden Elia und Elisa und als Schriftpropheten\nAmos, Hosea, Jesaja und Micha erw\u00e4hnt. Sch\u00f6n hebt die Verfasserin hervor, dass\n\u201edie Geistkraft nicht auf einen einzelnen Propheten\/Amtstr\u00e4ger der Gegenwart\nkommt, sondern in die Zukunft weist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In\nden exilisch-nachexilischen Propheten (bes. Jes 40ff) wird ruach \u201efast zur\nPerson Gottes selbst, jedoch speziell zu jener Seite Gottes, die der Erde\nzugewandt ist\u201c (25). Bei Ezechiel ist ruach \u201eeine Kraft, die weit \u00fcber das\nhinausgeht, was das physische Lebendigsein bedingt und auch \u00fcber das, was der\nMensch ethisch mit seinen Kr\u00e4ften leisten kann\u201c (31).<\/p>\n\n\n\n<p>Unter\ndem Abschnitt zu ruach-elohim in Gen 1,2 (34ff) argumentiert die Verfasserin\n\u00fcberzeugend f\u00fcr die \u00dcbersetzung \u201eGeist Gottes\u201c im Unterschied zu einem Elativ\n(\u201eGottessturm\u201c o.&nbsp;\u00e4.). Ruach ist die \u201eals potenziert vorgestellte\nSch\u00f6pferkraft Gottes\u201c (36). <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdenkenswert\nist im folgenden Abschnitt zu Ps 104 die Charakterisierung der ruach als \u201einnige\nVerbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen unten und oben\u201c (39).<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Unterabschnitt (\u201eWeisheitliche Literatur\u201c) verk\u00f6rpert die Weisheit \u201edie N\u00e4he, die Zuwendung Gottes zur Welt und zu den Menschen. So ist die Gestalt der Weisheit [\u2026] eine Mittlerin zwischen Gott und Mensch\u201c (48). Im Folgenden werden zwei deuterokanonische B\u00fccher, Jesus Sirach und Sapientia Salomonis in das Themenfeld \u201aGeist und Weisheit\u2018 einbezogen. Hier wird die sophia geradezu personifiziert. Bei ruach ist laut Zusammenfassung (60\u201363) erstens der dynamische, lebendig machende Aspekt zu beachten, zweitens der inspirierende, sch\u00f6pferische Aspekt dieser Geistkraft, drittens die Ganzheit schaffende Wirkung. Ruach \u201eerscheint wie eine Br\u00fccke zwischen Himmel und Erde\u201c. Den \u00dcbergang von ruach zur dritten Person der Trinit\u00e4t l\u00e4sst sie sehr im Dunkel der Tradition und Entwicklung bleiben. Erst die lateinische Theologie hat diese Gotteskraft in eine m\u00e4nnliche Form gebracht und zu einer Person gemacht, was sie im AT nie gewesen ist. Die Verfasserin vermutet, dass das Aschenputteldasein der dritten Person der Trinit\u00e4t mit der Vernachl\u00e4ssigung der weiblichen Vorstellung zu tun hat. Denn \u201e[wenn man] Gott als Person fassen [will], kommt man nicht darum herum, die Gender-Frage zu stellen.\u201c (62). Hier\nist der (linguistische und systematische) Grundirrtum offensichtlich: Die\nVerfasserin setzt das grammatische Genus mit der Ontologie gleich. Das f\u00fchrt\nsie in ein letztlich mythologisches Denken. Gott ist weder m\u00e4nnlich noch\nweiblich, sondern Gott. Moderne\nLinguistik hat im Blick, dass das Genus nur im kleinen Rahmen zur Unterscheidung\ndes Sexus bei belebten Objekten dient. \u201eIn allen bekannten Sprachen ist die\nBeziehung zwischen grammatischem Genus und \u201anat\u00fcrlichem\u2018 [\u2026] Geschlecht nur in\neinzelnen Bereichen des Wortschatzes durchsichtig.\u201c (H. Bussmann, <em>Lexikon der Sprachwissenschaft<\/em>,\n\u201eGenus\u201c). In linguistischer Hinsicht ist das Genus nur ein grammatisch-syntaktisches\nKoordinierungssystem.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Den\nzweiten Teil gestaltet Klaus Berger st\u00e4rker systematisch, indem er von der\nZukunftshoffnung Jesu her die urchristlichen Texte \u00fcber den Geist\ninterpretiert. Das geschieht in \u00fcber 50 k\u00fcrzeren Unterabschnitten, vorwiegend\nzur Gegenwart des Geistes: Der Geist ist unsichtbar und worthaft (74\u201376), er\nliegt an der Schwelle zur Wahrnehmbarkeit (77\u201397) und der unsichtbare Geist\nzeitigt wahrnehmbare Wirkungen (98\u2013126). Dabei werden \u00fcberraschend viele\nAspekte beleuchtet und der Leser angeregt, \u00fcber Wirkungen des Heiligen Geistes\nin der Zeit des NT, der Kirche und in der Zukunft nachzudenken. Die F\u00fclle der\nkleineren Abschnitte ist der Systematik allerdings etwas abtr\u00e4glich. Ebenso die\nreiche Zitierung von mittelalterlichen Gebeten aus dem Corpus Orationum. Diese\nbezeugen zwar die Langzeitwirkung des Geistes in der Liturgiegeschichte, sie\n\u00fcberschreiten aber den neutestamentlichen Zeitrahmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das alles schm\u00e4lert nicht den biblisch-theologischen Gewinn bei der Lekt\u00fcre, selbst wenn man nicht von der apostolischen Sukzession oder der eucharistischen Wandlung \u00fcberzeugt ist. Der Leser gewinnt mehr und mehr den Eindruck, dass der Verfasser, wenn er etwa die Trinit\u00e4t erw\u00e4hnt, von Exorzismen als Heilungen schreibt oder vom sch\u00f6pferischen Wirken in der Jungfrauengeburt, dieses von einem zustimmenden Standpunkt aus geschieht. Sollte sich der Rezensent darin nicht t\u00e4uschen, hat hierin bereits der kurze Beitrag eine wohltuende Wirkung erzielt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Manfred Dreytza, Walsrode<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helen Sch\u00fcngel-Straumann&nbsp;\/&nbsp;Klaus Berger: Geist Gottes, Neue Echter-Bibel 12, W\u00fcrzburg: Echter-Verlag, 2017, 143&nbsp;S., \u20ac&nbsp;14,40, ISBN 978-3-429-02178-8 Das Buch gliedert sich in<\/p>\n","protected":false},"author":65,"featured_media":892,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-891","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/891","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/65"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=891"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/891\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":977,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/891\/revisions\/977"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}