{"id":898,"date":"2019-10-21T14:41:45","date_gmt":"2019-10-21T14:41:45","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=898"},"modified":"2019-10-22T21:06:54","modified_gmt":"2019-10-22T21:06:54","slug":"adam-d-hensley-covenant-relationships-and-the-editing-of-the-hebrew-psalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=898","title":{"rendered":"Adam D. Hensley: Covenant Relationships and the Editing of the Hebrew Psalter"},"content":{"rendered":"\n<p>Adam D. Hensley: <em>Covenant Relationships and the Editing of the Hebrew Psalter<\/em>,LHBOTS 666, London \u2013&nbsp;New York, NY: T&amp;T Clark, 2018, Hb., 311&nbsp;S., US&nbsp;$&nbsp;91.99, ISBN <a href=\"https:\/\/www.bloomsburycollections.com\/book\/covenant-relationships-and-the-editing-of-the-hebrew-psalter\/\">978-0-5676-7910-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Mit B. Childs ist neben der Vielheit\nund Unterschiedlichkeit die Einheit der biblischen Schriften (wieder) in den\nBlick gekommen. Bei den Psalmen ist der Spannungsbogen noch verst\u00e4rkt und\nartikuliert sich in der Diskussion, ob diese \u201eSchriftrolle\u201c als Anthologie oder\nKomposition einzustufen ist. Das Programm von Childs auf den Psalter anwendend,\nhat G. Wilson mit seiner Dissertation (1985) der Komposition-These und damit\nder \u201ekanonischen\u201c Sichtweise Bahn gebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dessen\nLinie steht die hier vorzustellende Monographie (am lutherischen Concordia\nSeminary, St. Louis, KY, erlangter Ph.D.), obwohl Wilsons Ansichten \u00f6fters in\nFrage gestellt werden. Der in Adelaide unterrichtende Australier Adam Hensley stellt\nund verbindet zwei Grundfragen: Wie ist der Psalter strukturiert bzw. \u201eediert\u201c?\nUnd: Was ist dessen eingeschriebene Botschaft, sein \u201egenetischer Code\u201c? Die\nArgumentation wird in drei Hauptteilen entwickelt, gerahmt von Einleitung und\nSchlussfolgerungen. Den insgesamt 15 Kapiteln sind ein Appendix (Anspielungen\nauf die Bundesformel) sowie Bibliographie und Stellenregister beigegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie im\nTitel \u201eCovenant Relationships\u201c angezeigt, sieht der Vf. Absicht und Ziel der\nHerausgeber des Psalters darin, dass sie Abraham-, Mose- und David-Bund\ngleichsam als theologische Einheit fassen und die (Er-)F\u00fcllung durch einen\n\u201efuture Davidic successor\u201c sehen. Der Psalter \u00fcbertrage die Mose zugeschriebene\nFunktion des (Bundes-)Mittlers bzw. Erneuerers des Bundes (vgl. Ex 32\u201334) dem\n\u201eneuen David\u201c. Dieser\nerf\u00fcllt \u201etraditionally Abrahamic convenantal promises, supersedes Moses as\nintercessor for the people in the face of their covenantal unfaithfulness, and\nis faithful to Mosaic covenantal obligations\u201c (9). Hensley\nerkennt keinen entscheidenden Wechsel zwischen Ps 89 und 90: Der David-Bund ist\nnicht gescheitert, vielmehr liegt im Psalter eine Koh\u00e4renz und Kontinuit\u00e4t der\ndavidisch-messianischen Perspektive vor, die sich in der Royalisierung von\nBundesaussagen \u00e4u\u00dfert. Dabei nimmt er Ans\u00e4tze von J. Grant (idealer K\u00f6nig erf\u00fcllt\nK\u00f6nigsgesetz von Dtn 17) auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nVerstehensmodell von Hensley ist synchron und der proto-MT den Qumran-Befunden\nvorgelagert. Entsprechend wird das Gewicht auf interne Evidenzen f\u00fcr\neditorielle Absichten und theologische Ausrichtung gelegt. Neben der\nGruppenbildung von Psalmen mit Autorzuweisungen u.&nbsp;a.&nbsp;m. ist\nnamentlich die Auswertung des editoriellen Vermerks Ps 72,20 f\u00fcr seinen Ansatz\nbedeutsam: David ben-Jesse (Filiation, vgl. 2Sam 23,1) wird als Markierung des\nletzten Gebets des \u201eoriginalen\u201c (historischen) David gefasst. Entsprechend\nbildet Ps 72 (nicht Ps 89) die \u201eWasserscheide\u201c zwischen einem historischen\nDavid (Teilb\u00fccher I und II) und einem zuk\u00fcnftig-eschatologischen David(iden)\n(Teilb\u00fccher III\u2013V, vgl. \u00e4hnlich das eschatologische Psalter-Verst\u00e4ndnis von D.\nMitchell).<\/p>\n\n\n\n<p>In den weiteren\nKapiteln werden die verschiedenen Ph\u00e4nomene des Bundes, und wie er sich im\nPsalter auspr\u00e4gt, behandelt. Dazu geh\u00f6rt eine Sichtung der rund 20, stets im\nSingular erscheinenden <em>b<sup>e<\/sup>rith<\/em>-Belege\n(von Ps 25 bis 132). Der Schluss von Ps 78 (Ersterw\u00e4hnung Davids nach Ps 72,20)\nverweist auf zuk\u00fcnftige Davididen. In Ps 89 bleibt die Dynastieverhei\u00dfung an\nDavid unkonditional (V. 34\u201338; die Pluralaussagen in V. 31\u201333 betreffen sp\u00e4tere\nAmtsinhaber), und eine Schuldhaftigkeit des gegenw\u00e4rtigen Davididen wird nicht\nausgesagt. Die Botschaft der Sequenz der Teilb\u00fccher III\u2013IV lautet: Das Volk hat\nges\u00fcndigt (III), aber deren Hoffnung liegt in der R\u00fcckkehr von \u201eDavid\u201c, durch\nden JHWH gn\u00e4dig den Bund wie in der Fr\u00fchzeit erneuert (IV). In Ps 132 kommen\nDavid und der Zion wie in Ps 78 zusammen, unter Fokussierung auf den Davidbund,\nder den Mosebund einschlie\u00dft. Es folgen Hinweise, die zeigen, wie David den\nMosebund einh\u00e4lt: Bezugnamen auf das <em>\u0161<sup>e<\/sup>ma\u2018<\/em>\n(die deutlichsten Anspielungen finden sich allerdings in den Asaph-Psalmen 50\nund 81), Bez\u00fcge auf <em>tora <\/em>und\nDekalog-Gebote, Zwei-Wege-Topik (Gerechte \u00f3 Frevler), Furcht JHWHs. Gem\u00e4\u00df Vf. stellt der Psalter David als\n\u201eMose-like intercessor\u201c dar. Genannt werden Bez\u00fcge auf Schilfmeerlied,\nSinai\/Horeb, Landgabe, Aaron-Segen, Knechts- und Sohnbezeichnungen etc. (erstaunlicherweise\nfehlt die Parallele der \u201etestamentarischen\u201c Lieder Dtn 32 und 2Sam 22 \/\/ Ps 18).\nIn Ps 72, wo David f\u00fcr Salomo betet, werden in V. 17 zwei Abraham-Verhei\u00dfungen\nroyalisiert (gro\u00dfer Name und Segen f\u00fcr alle V\u00f6lker). Vertiefte Aufmerksamkeit\nerf\u00e4hrt die sog. \u201eGnadenformel\u201c (Ex 34,6), die als editoriell wesentlich\neingestuft und durch welche die mit Mose verbundene Rolle des Bundesmittlers\nauf David \u00fcbertragen wird (ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert werden Ps 86,15; 103,8;\n145,8). Am Schluss wird der (\u00fcberschriftslose) Psalteranfang (Ps 1f) bedacht\nund dabei (mit J. Grant) Ps 1 im Licht von Ps 2 interpretiert: Der Buchanfang\nstellt als Leitmotto das Bild des idealen K\u00f6nigs, der Tora-Fr\u00f6mmigkeit\nverk\u00f6rpert und frevlerischen Nationen gegen\u00fcbersteht, in den Vordergrund. <\/p>\n\n\n\n<p>Ist mit\nDavid als historischem wie k\u00fcnftigem\/eschatologischem Bundesmittler das \u201eGenom\u201c\ndes Psalters identifiziert? Tats\u00e4chlich hat Vf. wichtige und teils auch neue \u201eLebensbausteine\u201c\ndes Psalters herausgearbeitet. Seine These der Verklammerung der mit Abraham,\nMose und David verbundenen B\u00fcnde ist weiterer \u00dcberlegungen wert, auch wenn\n\u201ecovenant relationships\u201c als <em>umbrella\nterm<\/em> daherkommt. Dass David die signifikanteste (menschliche) Gestalt im\nPsalter ist, steht au\u00dfer Frage. Ob und inwiefern die Psaltereditoren mit\nAbraham und Mose verbundene Aussagen David \u201egutschreiben\u201c, steht freilich auf\neinem andern Blatt. Dem Vf. ist gegen\u00fcber dem herk\u00f6mmlichen Abfolgemodell \u201edavidischer\nPsalter\u201c (Ps 2\u201389) =&gt; \u201etheokratischer Psalter\u201c (Ps 90\u2013145\/150) insofern\nRecht zu geben, dass dort die Rolle Davids in den Teilb\u00fcchern IV\u2013V und damit im\nPsalter insgesamt nicht hinreichend zum Tragen kommt. Der \u201ehistorische\u201c David\nder Teilb\u00fccher I\u2013II bleibt eher blass; der Fokus liegt bei Hensley auf dem\nk\u00fcnftigen David(diden). <\/p>\n\n\n\n<p>An diesen gro\u00df\nangelegten Wurf einer Psaltertheologie stellen sich methodische wie inhaltliche\nFragen: Ob Ps 72,20 eine Zweiteilung der David-Sicht in der Psalteredition zu\ntragen vermag? Sind die David-Aussagen in Buch III (Ps 78; 86; 89) entsprechend\nwirklich prim\u00e4r zukunftsgerichtet? Wird nicht zu viel unter \u201eDavid\u201c subsumiert\n(jeder Psalm mit David-Pr\u00e4skript wird einbezogen und weitere dar\u00fcber hinaus\nwerden teils \u201edavidisiert\u201c)? Welches ist der Stellenwert der \u201eWeisheit\u201c \u2013 der\nBegriff fehlt fast v\u00f6llig und seine Inhalte werden Mose zugeordnet \u2013&nbsp;in der\nGestalt(gebung) des Psalters? Bei seinem synchronen Ansatz macht es den\nAnschein, dass er gegen\u00fcber den \u00fcblichen historischen Staffelungen eine\nPsalterredaktion in einem Zug pr\u00e4feriert. Allerdings bleibt diesbez\u00fcgliches\nmanches unklar; das betrifft auch Zeit, Identit\u00e4t und Absicht der\nPsaltereditoren (Kontextuierung). Methodisch heikel ist die Frage, welche\nKennzeichen dem (fr\u00fcheren) Einzelpsalm zuzuweisen sind und welche zur Signatur\ndes Psalters geh\u00f6ren, also auf Herausgeber zur\u00fcckgehen und f\u00fcr eine\nPsaltertheologie (die mehr ist als eine Psalmentheologie) in Anschlag zu\nbringen sind. Bei der F\u00fclle von \u201eDaten\u201c sind Auswahl, Gruppierung und\nRelationierung sowie daraus gezogenen Schlussfolgerungen, insbesondere wenn sie\nmit einem intentionalen Anspruch verbunden sind, schnell zirkul\u00e4r und schwer zu\nobjektivieren. In dem Sinn ist die angegangene Doppelaufgabe der Darstellung\neiner Psaltertheologie in Verbindung mit der Nachzeichnung der Buchedition ein\nambiti\u00f6ses Unterfangen. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurzum: Hensley hat dankenswerterweise relevante und interessante Baustrukturen und Buchinhalte herausgearbeitet, aber eine Identifizierung des \u201ePsalter-Genoms\u201c ist m.&nbsp;E. nicht gelungen. Ich f\u00fcge \u2013&nbsp;nach Jahren eigener Psalmenforschung \u2013 an: Es bleibt unsicher, ob dies je gelingt (und gelingen soll).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Beat Weber, Pfr. Dr. theol., Basel, Research Associate am Department of Ancient Languages and Cultures, Universit\u00e4t von Pretoria, Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adam D. 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