{"id":901,"date":"2019-10-21T14:46:40","date_gmt":"2019-10-21T14:46:40","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=901"},"modified":"2019-10-22T21:06:33","modified_gmt":"2019-10-22T21:06:33","slug":"helmuth-pehlke-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=901","title":{"rendered":"Helmuth Pehlke: Israel"},"content":{"rendered":"\n<p>Helmuth Pehlke: <em>Israel. Daten, Fakten, Hintergr\u00fcnde, um das Heilige Land zu verstehen<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen Verlag, 2018, geb., 320&nbsp;S., \u20ac&nbsp;29,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/israel.html\">978-3-7655-4252-7<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Ein \u201eSachbuch\nzu schreiben, das sich von einem allgemeinen Reisef\u00fchrer unterscheidet\u201c (9),\nund das sich dennoch \u201eals begleitende Lekt\u00fcre auf einer Israelreise\u201c oder zum\neigenen Bibelstudium eignet (1), war das erkl\u00e4rte Ziel, das der bew\u00e4hrte\nAlttestamentler Prof. Helmuth Pehlke mit diesem Buch verfolgte. Dies ist ihm\ngelungen. Ich selbst kenne aus der Erfahrung vieler Israel-Studienreisen und\nder Begleitung von Reisenden und Pilgern in Jerusalem das vom Autor\nbeschriebene Dilemma, das die meisten aktuellen Israel-Reisef\u00fchrer nicht von\nBibelkennern, sondern von Journalisten oder Reiseexperten verfasst sind und\ndaher oft nur ein geringes Interesse an biblischen Zusammenh\u00e4ngen oder\ngeistlichen Fragen zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nL\u00fccke wird von dem vorliegenden, handlich formatierten, Buch hervorragend\ngef\u00fcllt. Es ist in zwei gr\u00f6\u00dfere Abschnitte aufgeteilt: Im ersten wird eine\nkompakte, aber doch detailreiche \u00dcbersicht \u00fcber die Geschichte Israels von den\nAnf\u00e4ngen bis zur Gegenwart gegeben. Dabei werden zun\u00e4chst Ausdehnung,\nBeschaffenheit und Grenzen des Landes in alttestamentlicher Zeit ausf\u00fchrlich\nanhand biblischer Angaben und au\u00dferbiblischer Quellen dargestellt. Die neuere\nkritische Forschung zu einer \u201eminimalistischen\u201c Darstellung der Geschichte\nIsraels kommt dabei nicht zur Sprache. Grundlage der Darstellung bildet die\nSchilderung der biblischen Erz\u00e4hlung, so dass etwa in das \u201eimperialisierte\u201c\nIsrael unter David und Salomo nicht nur die K\u00fcstenebene, sondern auch Edom,\nMoab, Ammon und Aram \u201ein der einen oder anderen Form eingeschlossen\u201c waren\n(21).<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nSchwerpunkt der geschichtlichen Darstellung liegt dann allerdings auf der\nneutestamentlichen Zeit: So wird das erste Jahrtausend (ca. 1500\u2013350 v.&nbsp;Chr.)\nauf knapp einer halben Seite zusammen\u00adgefasst, die hellenistische und\nhasmon\u00e4ische Zeit (350\u201350 v.&nbsp;Chr.) auf zwei Seiten und die r\u00f6mische Zeit\n(50 v.\u201370 n.&nbsp;Chr.) auf insgesamt achtzehn Seiten. Bez\u00fcge zu\nneutestamentlichen Texten werden hergestellt, wo es sich anbietet. Auch neuere\narch\u00e4ologische Funde, wie etwa die Entdeckung eines monumentalen Grabes am Hang\ndes Herodion bei Bethlehem im Jahr 2007, m\u00f6glicherweise ein Grabmal f\u00fcr Herodes\nden Gro\u00dfen, werden in die Darstellung aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nDarstellung der Geschichte Israels von 70 n.&nbsp;Chr. bis zur Gegenwart wird\nin einem Gastbeitrag von Prof. Markus Zehnder (Biola University) dargestellt.\nDabei sind die wechselnden Phasen christlicher und moslemischer Herrschaft bis\nca. 1800 (44\u201360) f\u00fcr den Israelreisenden vor allem in baugeschichtlicher\nHinsicht von Interesse, da viele touristische Monumente immer wieder erkennbare\nund noch sichtbare Bauphasen aus diesen unterschiedlichen Epochen aufweisen.\nDie Darstellung ab dem 19. Jahrhundert bis heute (61\u2013101) wird dann noch einmal\ndetailreicher, weil hier bereits viele Weichen f\u00fcr die religi\u00f6se und politische\nSituation der Gegenwart gestellt werden. Die verschiedenen christlichen\nKonfessionen, die bis heute in Jerusalem das kirchliche Leben pr\u00e4gen, werden\ndeshalb mit ihrer Geschichte und ihren wichtigsten Institutionen kurz\nvorgestellt (61\u201367).<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nVersuch, die Geschichte des israelisch-arabischen Konfliktes im 20. Jahrhundert\nund die Gr\u00fcndung des Staates Israel kurz und kompakt zusammenzufassen, ist\nimmer ein waghalsiges Unternehmen. Nach einigen Jahren, die ich selbst inmitten\ndieses Konfliktes verbracht habe, und unz\u00e4hligen B\u00fcchern und Artikeln erwarte\nich von keinem Autor mehr eine \u201eunabh\u00e4ngige\u201c, \u201eausgewogene\u201c oder \u201esachliche\u201c\nDarstellung. Vielmehr gibt es hier zwei (oder mehr) deutlich unterschiedliche\nSichtweisen und Darstellungen der geschichtlichen Fakten, die sich jeweils in\nder Auswahl der erw\u00e4hnten und unerw\u00e4hnten Details, sowie in der Verwendung von\nSignalworten und Vokabeln widerspiegeln. Ich habe mir abgew\u00f6hnt, solche\nEinseitigkeiten zu beklagen, und sehe sie stattdessen als Gewinn. Wie bei jedem\nStreit, sollte man sich beide Seiten geduldig und aufmerksam anh\u00f6ren und\nversuchen, sich gerade aus der Gegens\u00e4tzlichkeit ein Bild zu machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nDarstellung von Markus Zehnder entspricht dabei eher der traditionell\nisraelisch-j\u00fcdischen Sichtweise: Die biblische Verwurzelung der zionistischen\nBewegung wird ebenso betont wie die lange (und reale!) Geschichte arabischer\nJudenfeindschaft und antij\u00fcdischer Pogrome in Israel. Die Friedenswilligkeit\ndes neugegr\u00fcndeten Staates Israel wird der Aggression der arabischen\nNachbarstaaten und Anf\u00fchrer gegen\u00fcbergestellt. Arabische Gewalttaten werden als\n\u201eTerrorwellen\u201c (87) oder \u201eW\u00fcrgegriff\u201c (88) bezeichnet, j\u00fcdische dagegen eher\nals \u201eSabotageakte\u201c (83) oder \u201eVerteidigung\u201c (89). Allerdings ist auch von\n\u201eTerroranschl\u00e4gen\u201c j\u00fcdischer Gruppen (82) die Rede. Nur mit einem Satz wird\nangedeutet, was aus arabischer Perspektive als gravierendste Kehrseite der\nStaatsgr\u00fcndung Israels gilt: \u201eAngesichts der j\u00fcdischen Erfolge flohen viele\nAraber nach Libanon und Syrien\u201c (88). An die Darstellung der geschichtlichen\nEreignisse, die 1948 endet, schlie\u00dft sich noch ein kurzer Abschnitt \u00fcber den\n\u201ereligi\u00f6sen Hintergrund des Nahostkonflikts\u201c an, in dem die judenfeindlichen\nTendenzen in Koran und Hadith ebenso thematisiert werden wie religi\u00f6se\nJudenfeindschaft in heutigen arabischen Schulb\u00fcchern. Begriffe wie Dschihad\n(religi\u00f6ser Kampf) und Dhimma (Rechtsstatus von Nichtmuslimen im Islam) werden\nin ihrer Bedeutung f\u00fcr den aktuellen Konflikt erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie\nbereits gesagt, sollte man aber diese betonte Einseitigkeit der Darstellung\nnicht als Nachteil ansehen, sondern eher als Gewinn. Denn sie bildet ein\nerfrischendes Gegengewicht gegen die meist ebenso einseitige, nur von anderer\nSeite herkommende, Darstellungen in neueren Tourismus-Reisef\u00fchrern, seien sie\nf\u00fcr das Segment des Breitentourismus oder f\u00fcr alternativ reisende\nRucksacktouristen geschrieben. Viele der hier von Pehlke und Zehnder\nzusammengestellten Fakten und Informationen wird man in anderen Reisef\u00fchrern\ndaher vergeblich suchen. Auch damit wird das Buch also dem eingangs\nformulierten selbstgesteckten Ziel gerecht. Wer andere Stimmen h\u00f6ren m\u00f6chte,\nsollte (und kann!) andere B\u00fccher konsultieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nzweiten Teil des Buches, wieder von Helmuth Pehlke verfasst, wird zun\u00e4chst das\nLeben im modernen Staat Israel dargestellt, wobei es kurze Einf\u00fchrungen zu\nGeografie, Bev\u00f6lkerung, Religionen, den wichtigsten j\u00fcdischen Festen und\neiniger politischer Gruppierungen gibt. Auf Tagesaktualit\u00e4t oder eine\nDarstellung der aktuellen politischen Konstellationen und Konflikte im Land\nwird dabei bewusst verzichtet. Diese k\u00f6nnte schon in wenigen Jahren v\u00f6llig\n\u00fcberholt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nRest des zweiten Teils widmet sich der ausf\u00fchrlichen Darstellung von 29 ausgew\u00e4hlten\nOrten, die der Autor f\u00fcr erw\u00e4hnens- und besuchenswert h\u00e4lt. Dabei handelt es\nsich teilweise um biblisch bedeutsame Orte wie Bethlehem, Jericho, Kapernaum\noder Beersheva, teilweise um arch\u00e4ologisch interessante Orte wie Massada, Arad,\nHazor und Megiddo, oder um moderne Touristikziele wie Haifa, Eilat oder das\nTote Meer. Dabei wird der Leser jeweils gr\u00fcndlich in die Geschichte des\njeweiligen Ortes, in seine biblische und geistliche Bedeutung eingef\u00fchrt. Hier\nliegt der besondere Wert dieses Buches, denn Informationen in dieser fachlichen\nGr\u00fcndlichkeit, erg\u00e4nzt durch hochwertige und aktuelle Fotografien, wird man in\nanderen Reisef\u00fchrern selten finden. An manchen Stellen h\u00e4tte man sich noch eine\nAktualisierung gew\u00fcnscht, etwa im Blick auf die umfangreichen neuern\nAusgrabungen in Jericho oder Silo. Auch ein Orts- und Namensverzeichnis im\nRegister w\u00e4re hilfreich, da die Orte nicht alphabetisch, sondern nach Regionen\nangeordnet sind. Praktische Reisetipps, wie etwa \u00d6ffnungszeiten,\nWegbeschreibungen, Verkehrsanbindung o.&nbsp;\u00e4. enth\u00e4lt das Buch nicht. Daf\u00fcr\nsollte man einen gew\u00f6hnlichen Reisef\u00fchrer erg\u00e4nzend zu Rate ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nStadt Jerusalem ist ein besonders ausf\u00fchrliches Kapitel gewidmet, in dem die\nGeschichte der Stadt noch einmal im Einzelnen dargestellt werden. Hier werden\nauch der 6-Tage-Krieg von 1967 und der Beginn der zweiten Intifada kurz\nerw\u00e4hnt, ohne dass jedoch politische Einzelheiten er\u00f6rtert werden. Neuere\narch\u00e4ologische Funde, die in den letzten Jahren f\u00fcr Aufsehen sorgten\n(z.&nbsp;B. am unteren Tempelberg, rund um Davidsstadt und Siloah-Teich), sind\nauch hier noch nicht mit in die Darstellung aufgenommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem bietet das Buch dicht gedr\u00e4ngte und fachlich wertvolle Informationen zur Geschichte des Landes Israel und zu ausgew\u00e4hlten wichtigen Orten. An manchen Stellen h\u00e4tte man sich bei einem gerade neu erscheinenden Buch mehr Aktualit\u00e4t gew\u00fcnscht, zumal dieses Land sowohl politisch als auch arch\u00e4ologisch st\u00e4ndig in Bewegung bleibt. In seiner jetzigen Gestalt bildet es aber eine solide und in seiner Art einzigartige Grundlage f\u00fcr den Besuch des Landes und f\u00fcr eigenes Bibelstudium zu Hause, die bei Bedarf durch tagesaktuelle Informationen aus Zeitungen oder Internet erg\u00e4nzt werden kann und sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Guido Baltes unterrichtet Neues Testament am MBS Bibelseminar und ist Lehrbeauftrager f\u00fcr Neues Testament an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg und der Evangelischen Hochschule Tabor.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helmuth Pehlke: Israel. 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