{"id":908,"date":"2019-10-21T14:55:40","date_gmt":"2019-10-21T14:55:40","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=908"},"modified":"2019-10-22T21:05:40","modified_gmt":"2019-10-22T21:05:40","slug":"jan-andrea-bernhard-judith-engeler-hg-dass-das-blut-der-heiligen-wunden-mich-durchgehet-alle-stunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=908","title":{"rendered":"Jan-Andrea Bernhard \/ Judith Engeler (Hg.): \u201eDass das Blut der heiligen Wunden mich durchgehet alle Stunden\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Jan-Andrea Bernhard \/ Judith Engeler (Hg.): <em>\u201eDass das Blut der heiligen Wunden mich durchgehet alle Stunden\u201c. Frauen und ihre Lekt\u00fcre im Pietismus<\/em>, Z\u00fcrich: Theologischer Verlag Z\u00fcrich, 2019, kt., 162&nbsp;S., 22&nbsp;Abb., \u20ac&nbsp;21,90, ISBN <a href=\"https:\/\/www.tvz-verlag.ch\/buch\/dass-das-blut-der-heiligen-wunden-mich-durchgehet-alle-stunden-9783290182113\/?page_id=1\">978-3-290-18211-3<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Untertitel \u201eFrauen und ihre Lekt\u00fcre im Pietismus\u201c weckt zun\u00e4chst\nErwartungen nach einer tiefgehenden Studie dieses in der Tat erst vereinzelt\nerforschten Themas. Diese Erwartungen werden mit dem vorliegenden Band\n(bewusst) nicht bedient, und das stellen die Herausgeber, Jan-Andrea Bernhard,\nPrivatdozent f\u00fcr Kirchenge-schichte an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, und Pfarrerin\nJudith Engeler bereits im Vorwort (7\u20138) klar. Denn bei dem Aufsatzband handelt\nes sich auch um ein Nachwuchsprojekt. Die Beitr\u00e4ge gehen zur\u00fcck auf ein Seminar\nim Herbst 2016 an der Z\u00fcrcher theologischen Fakult\u00e4t zum Lesen, Schreiben und\nBuchbesitz von Frauen im 17. und 18. Jahrhundert und zeigen die\nForschungsergebnisse der (ehemaligen) Studierenden. Mit Unterst\u00fctzung mehrerer\nevangelisch-reformierter Landeskirchen sowie Kirchengemeinden in der Schweiz\nkonnten diese Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht werden, was verdienstvoll ist, da\ninsbesondere \u00fcber Schweizer pietistische Frauen und ihr Schreiben wenig bekannt\nist und durch die hier versammelten Beitr\u00e4ge Schweizer Autorinnen wie Hortensia\nGugelberg von Moos, Margret Zeerleder-Lutz, Ursula Meyer und Mengia\nWieland-Bisaz einer breiteren Leserschaft vorgestellt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Biographie und Wirken dieser Frauen hinaus will der Band Einblick\nin die religi\u00f6se Frauen- und Bildungsgeschichte geben, wie der Aufbau und die\nEinf\u00fchrung zeigen: Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert, eine\n\u201eEinf\u00fchrung\u201c, zwei Beitr\u00e4ge unter der \u00dcberschrift \u201eEuropa\u201c sowie f\u00fcnf Beitr\u00e4ge\nim Abschnitt \u201eSchweiz\u201c. Zun\u00e4chst f\u00fchrt Jan-Andrea Bernhard in das religi\u00f6se\nLesen und Schreiben von Frauen im 17. und 18.&nbsp;Jahrhundert ein (11\u201335).\nFr\u00f6mmigkeit, religi\u00f6se Lekt\u00fcre und Buchbesitz der Frauen versteht er als\nAusdruck weiblichen Bildungsinteresses und der Bildungssozialisation und\nbetont, dass \u201edie Lekt\u00fcre von Gebets- und Erbauungsb\u00fcchern einen wichtigen\nSchritt der Frauen auf dem Weg zur Emanzipation bildete\u201c (29). Vor diesem\nHintergrund will der Aufsatzband einen Beitrag zur Buch-, Erziehungs-,\nBildungs- und Geschlechtergeschichte leisten. Innerhalb dieses Rahmens setzen\ndie einzelnen Beitr\u00e4ge aber durchaus unterschiedliche Akzente. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Abschnitt \u201eEuropa\u201c stellt Anna Lerch detailliert Biographie und\nFr\u00f6mmigkeit von Henriette Katharina von Gersdorf (1648\u20131726), Gro\u00dfmutter von\nNikolaus von Zinzendorf, vor (39\u201367). Diese kannte nicht nur viele Vertreter\ndes Pietismus pers\u00f6nlich, sondern verfasste auch religi\u00f6se Schriften, wovon u.\na. die posthum erschienenen gesammelten Werke \u201eGeistreiche Lieder und poetische\nBetrachtungen\u201c im Umfang von knapp 900 Seiten zeugen. Trotz der\nschriftstellerischen T\u00e4tigkeit war Henriette von Gersdorf aber weit bekannter f\u00fcr\nihr praktisches frommes Engagement als \u201eF\u00f6rderin von Schule und Bildung\u201c (39).\nAllgemeiner spricht Stephan Krauer \u201eFrauen als Dichterinnen\u201c an (69\u201379), wobei\ner betont, dass, zumindest im fr\u00fchen Pietismus, auch Frauen am pietistischen\nNetzwerk, das durch die \u201eProduktion und Rezeption von Literatur\u201c (71) gepflegt\nwurde, teilhatten. Als Beispiel nennt er Charlotte Nebel-Rambach (1727\u20131761),\nTochter des pietistischen Theologen Johann Jakob Rambach, von der auch das im\nBuchtitel aufgenommene Zitat \u201eDass das Blut&#8230;\u201c stammt. Ist nach Krauer die\nErforschung der theologischen Leistung schreibender Pietistinnen ein\nForschungsdesiderat, so nimmt der dritte, der \u201eSchweiz\u201c gewidmete Teil des\nBuchs (81\u2013151) dieses Desiderat exemplarisch auf, indem vier Frauen aus dem\nUmfeld des Schweizer Pietismus in ihrer Biographie, Fr\u00f6mmigkeit und ihrem\nschriftstellerischen Wirken vorgestellt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Danuser-Leitinger (83\u201394) zeigt Hortensia Gugelberg von Moos\n(1659\u20131715) als fromme Schriftstellerin und Gelehrte aus Maienfeld. Fr\u00fch\nverwitwet, kinderlos, aber finanziell gesichert, widmete sie sich \u201eder Pflege\ndes kirchlich-religi\u00f6sen Lebens\u201c (85) mit Sympathien f\u00fcr die pietistische\nFr\u00f6mmigkeit. In ihrer Schrift \u201eGlaubens-Rechenschafft\u201c (Z\u00fcrich 1695) setzte sie\nsich aus evangelisch-reformierter Perspektive heraus mit der\nr\u00f6misch-katholischen Lehre, insbesondere der Transsubstantiationslehre,\nauseinander, verfasste aber auch Schriften zu gesellschaftlichen,\nwissenschaftlichen und ethischen Themen. In Aufbau und Inhalt ihrer\nHauptschrift \u201eGlaubens-Rechenschafft\u201c gibt der folgende Beitrag von Mich\u00e8le\nWenger Einblick (95\u2013104). Mit Margret Zeerleder-Lutz (1674\u20131750) stellt Rahel\nStrassmann Zweifel eine Berner Pietistin und Autorin vor (105\u2013122). Ihre\nSchrift \u201eGl\u00fcckselige Freyheyt\u201c (1740) enth\u00e4lt neben ihrem geistlichen\nLebenslauf auch 14 biblische Betrachtungen und ist wiederum ein Zeugnis f\u00fcr die\nreligi\u00f6se, schriftstellerische T\u00e4tigkeit Schweizer pietistischer Frauen.\nMargret Zeerleder-Lutz, die auch im Briefwechsel mit Pietisten wie Nikolaus von\nZinzendorf stand [hier irritiert die mehrmalige Schreibung \u201eBr\u00fcdergemeinde\u201c\nstatt -gemeine], war eine zentrale Figur des Berner Pietismus. Vom Berner\nPietismus gepr\u00e4gt war auch Ursula Meyer (1682\u20131743), die in einer pietistischen\nFamilie aufwuchs und 1699 den Berner Pietistenprozess sowie Repressionen gegen\ndie Pietisten miterlebte. Selina Anliker (123\u2013135) verfolgt ihre Spuren in der\nSchweiz und Deutschland. Denn 1715 schloss sich Ursula Meyer der\nInspirationsgemeinde auf der Ronneburg in der Grafschaft Ysenburg (Hessen) an\nund verk\u00fcndigte als \u201eWerkzeug\u201c Gottes mehrere Jahre lang ihre prophetischen\nEingebungen. Obwohl ihr \u00f6ffentliches prophetisches Wirken bereits rund 20 Jahre\nvor ihrem Tod endete, wurden posthum 156 ihrer Ausspr\u00fcche unter dem Titel \u201eEin\nhimmlischer Abendschein\u201c (1781) ver\u00f6ffentlicht, gew\u00fcnscht und finanziert von\nBerner Inspirierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Beitrag gilt der kaum bekannten Mengia Wieland-Bisaz\n(1713\u20131781). Jan-Andrea Bernhard stellt die \u201eerste r\u00e4toromanische\nSchriftstellerin\u201c kundig als Dichterin geistlicher Lieder vor (137\u2013151). Ihr\nGesangbuch \u201eOvretta Musicale\u201c (1749) erschien in mehreren Auflagen mit immer\nwieder neuen Liedern, in denen Bernhard eine pietistisch gepr\u00e4gte Blut- und\nWunden- sowie Jesusfr\u00f6mmigkeit und eine \u201ezunehmende Individualisierung und\nVerinnerlichung des religi\u00f6sen Lebens\u201c (143) erkennt. Gebraucht und gesch\u00e4tzt\nwurde das Gesangbuch wohl v.&nbsp;a. in den Kreisen des Engadiner Pietismus,\nwie die prim\u00e4re Rezeption im Kreis (pietistischer) Glaubensgenossen typisch zu\nsein scheint f\u00fcr die schriftstellerische T\u00e4tigkeit der hier vorgestellten\nfrommen Frauen des 17. und 18. Jahrhunderts. <\/p>\n\n\n\n<p>Alle Beitr\u00e4ge sind ohne Vorkenntnisse gut lesbar und nennen jeweils abschlie\u00dfend Quellen und Forschungsliteratur. Insgesamt 22 Abbildungen illustrieren die Beitr\u00e4ge ansprechend, so dass das Buch f\u00fcr alle geeignet ist, die an der Rolle von Frauen im insbesondere Schweizer Pietismus interessiert sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan-Andrea Bernhard \/ Judith Engeler (Hg.): \u201eDass das Blut der heiligen Wunden mich durchgehet alle Stunden\u201c. 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