{"id":926,"date":"2019-10-21T15:09:05","date_gmt":"2019-10-21T15:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=926"},"modified":"2019-10-22T21:03:48","modified_gmt":"2019-10-22T21:03:48","slug":"stephen-mansfield-choosing-donald-trump","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=926","title":{"rendered":"Stephen Mansfield: Choosing Donald Trump"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stephen Mansfield: <em>Choosing Donald Trump. God, Anger, Hope, and Why Christian Conservatives Supported Him<\/em>, Grand Rapids: Baker, 2017, geb., X+195&nbsp;S., US&nbsp;$&nbsp;15,99, ISBN <a href=\"http:\/\/bakerpublishinggroup.com\/books\/choosing-donald-trump\/379051\">978-0-8010-0733-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der bekannte amerikanische Bestsellerautor Stephen Mansfield widmet\nsich in dem vorliegenden Werk der Frage, wie es dazu kommen konnte, dass ein so\nunorthodoxer und anst\u00f6\u00dfiger Kandidat wie Donald Trump gerade von konservativen\nChristen ins Pr\u00e4sidentenamt gehievt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst schien Trump nicht der geeignete Kandidat f\u00fcr eine christlich-konservative W\u00e4hlerschaft zu sein. Als er \u00fcber seinen Glauben befragt wurde, antwortete Trump: \u201eIch bin Protestant, ich bin Presbyterianer. Ich bin zwar sehr besch\u00e4ftigt, wahrscheinlich mehr als ich sollte. Aber ich bin ein Christ. Ich bin Protestant. Ich bin Presbyterianer\u201c (29, \u00dcbersetzung EF, auch im Folgenden). Die Frage nach seinem Lieblingsvers oder einem Vorbild in der Bibel konnte er nicht beantworten. In einem Interview bekannte er, dass er Gott noch nie um Vergebung gebeten h\u00e4tte, dies aber tun w\u00fcrde, sollte er einen Fehler begehen. Er versuche Gott \u201eda rauszulassen\u201c (30).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trump warf aber auch bez\u00fcglich seines Charakters viele Fragen auf. Er\nschien die st\u00e4ndige Selbstbest\u00e4tigung zu brauchen, und br\u00fcstete sich mit seinen\nsexuellen Abenteuern. Die Washington Post f\u00fchrte Listen seiner hyperbolischen\nAussagen, die mit Fakten unvereinbar waren. In den ersten Monaten verging kein\nTag ohne eine Falschaussage des Pr\u00e4sidenten. Er ermunterte zu Gewalt, etwa\ndurch Androhung gegen einen Demonstranten: \u201eIch pr\u00fcgel Dich weich\u201c (32). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2015 organisierte die landesweit bekannte Fernsehpredigerin\nPaula White ein Treffen zwischen Trump und einflussreichen christlichen\nLeitern. Die Bilder, die um die Welt gingen, zeigten bekannte Televangelisten,\ndie um Trump standen, ihm die H\u00e4nde auflegten und f\u00fcr ihn beteten. Bei diesen\nTreffen lernte Trump die Anliegen dieser religi\u00f6sen Gruppen kennen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trump versprach das <em>Johnson Amendment<\/em> aus dem Jahr 1954\nabzuschaffen, das die Unterst\u00fctzung politischer Ziele und Kandidaten durch den\nKlerus verhinderte. Dabei handelt es sich um eine Erg\u00e4nzung des Pr\u00e4sidenten\nLyndon Johnson zum Bundessteuergesetz, das spendenfinanzierten und\nsteuerbefreiten Verb\u00e4nden die politische Parteinahme und Einmischung in die\nGesetzgebung verweigerte. Trump erschloss somit eine neue W\u00e4hlergruppe, die\nsich explizit f\u00fcr ihn aussprechen konnte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paula White beteuerte seine Aufrichtigkeit mit den Worten \u201eEr hat\nwirklich ein Herz und einen Hunger und eine Beziehung zu Gott.\u201c \u201eEr ist ein\nChrist, und er ist wiedergeboren\u201c (97), in den USA ein entscheidendes\nStichwort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So gewann Trump die Unterst\u00fctzung von Franklin Graham und dem\nErzbischof von Boston, sowie die Unterst\u00fctzung der f\u00fchrenden Fernsehprediger\nund der Leiter der 50 gr\u00f6\u00dften Kirchen der USA. Das wiederum sicherte Trump bei\nseiner Wahl 81% der Stimmen wei\u00dfer Evangelikaler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbindung zwischen Trump und den Evangelikalen war eine Verbindung\naus Not. Vorausgegangen war eine s\u00e4kulare Entwicklung, die sich besonders unter\nPr\u00e4sident Obama verst\u00e4rkte. Bereits als Senator in Illinois unterst\u00fctzte er die\n<em>partial birth abortion<\/em> (Abtreibung w\u00e4hrend der Geburt). Katholische\nKrankenh\u00e4user wurden von Anw\u00e4lten der Obama-Administration unter Druck gesetzt,\nAbtreibungen durchzuf\u00fchren. Unternehmen allgemein mussten daf\u00fcr Sorge tragen,\nbei Abtreibungen Kosten zu erstatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obama unterst\u00fctze die offen gelebte Homosexualit\u00e4t in den\nStreitkr\u00e4ften, er feierte die Legalisierung der Homoehen. Wenige Evangelikale\nwerden den Tag vergessen, an dem das Wei\u00dfe Haus in Regenbogenfarben beleuchtet\nwurde, dem Symbol der <em>Gay Pride Bewegung<\/em>. Des Weiteren setzte er sich\nf\u00fcr die Kostenerstattung von geschlechtsangleichenden Operationen ein. Er\nunterst\u00fctzte auch das Verfahren gegen eine B\u00e4ckerei, die einem schwulen P\u00e4rchen\ndie Hochzeitstorte aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden verweigerte. Von Ausschreibungen der\nAdministration wurden Unternehmen ausgeschlossen, die angeblich Menschen\naufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentit\u00e4t diskriminierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christen standen unter dem Eindruck, dass die Regierung unter Obama zu\neinem Feind des traditionellen Glaubens und traditioneller Werte wurde. Noch\nschlimmer war nach ihrem Empfinden, dass die Regierung ihre Grenzen \u00fcberschritt\nund religi\u00f6sen Organisation und Kirchen Vorschriften machte, die mit ihren\nGlaubens\u00fcberzeugungen unvereinbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Best\u00fcrzend war f\u00fcr sie, dass die damalige Au\u00dfenministerin Hillary\nClinton proklamierte, dass \u201eLesbische, Schwule, Bisexuelle und\nTransgender-Rechte\u201c \u201eeine Priorit\u00e4t der Au\u00dfenpolitik der USA\u201c (114) seien. In\neiner Zeit des Terrorismus war diese Priorisierung ersch\u00fctternd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst der Vatikan klagte dar\u00fcber, dass \u201edie US Regierung sich\nzunehmend feindselig gegen\u00fcber christlicher Zivilisation verhielt\u201c (114).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da Hillary Clinton Teil der Obama-Administration gewesen war, sahen\nkonservative W\u00e4hler in ihr keine Hoffnung auf eine moralische Umkehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Radikalisierung der liberalen Linken war somit der Hintergrund, der\ndie Wahl Trumps durch Evangelikale m\u00f6glich machte. Er versprach ihnen, ihre\nStimme zu sein. Sie vertrauten dabei nicht auf erfahrenere\nPr\u00e4sidentschaftskandidaten sondern auf den scharfz\u00fcngigen, schonungslosen,\nzornigen Au\u00dfenseiter aus New York. Er verk\u00f6rperte ihre Au\u00dfenseiterrolle und\nihre Wut dar\u00fcber, dass die Elite in Washington ihnen ihr Land geraubt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warnend f\u00fchrt Mansfield das Beispiel Billy Grahams an, der regelm\u00e4\u00dfig\nmit Nixon, Eisenhower und anderen Pr\u00e4sidenten verkehrte. Graham gelangte damals\nzur Einsicht, dass er wohl in seiner Leichtgl\u00e4ubigkeit die religi\u00f6se\nErnsthaftigkeit Nixons zu hoch eingesch\u00e4tzt hatte. Er warnte davor, als\nreligi\u00f6ser Leiter von Pr\u00e4sidenten f\u00fcr ihre Zwecke eingespannt und manipuliert\nzu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund solcher Gefahren pl\u00e4diert der Autor f\u00fcr mehr Distanz zwischen\nGeistlichen und Politikern. Insbesondere warnt er davor, neokonservative\nDenkans\u00e4tze mit biblischer Lehre gleichzusetzen. Zu unterschiedlich sind die\nAnsichten. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, die Bibel \u00fcber neokonservative Ansichten zu erheben\nund einen dritten Weg, jenseits von liberal und konservativ aufzuzeigen. Beim\nThema des Rassismus h\u00e4lt er es f\u00fcr notwendig, dem Pr\u00e4sidenten eine Korrektur\nnahezulegen, statt seine rassistischen \u00c4u\u00dferungen stillschweigend hinzunehmen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mansfield schlie\u00dft sein Werk mit der Betrachtung der alttestamentlichen\nGeschichte von Ahabs und Joschafats Krieg gegen den K\u00f6nig von Aram. Die\nBefragung ihrer 400 Propheten ergab ein positives Resultat. Nur Micha\nwidersprach, weil er ihnen nicht nach dem Mund redete. Mansfields Fazit daraus\nist: Diejenigen, die religi\u00f6se Wahrheiten aussprechen, sollten eine\nprophetische Distanz zu den M\u00e4chtigen einhalten, um ihre Botschaft nicht zu\nverw\u00e4ssern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Wahlkampf 2016 wurde diese Distanz schmerzlich vermisst. Donald\nTrump wurde von vielen christlichen Leitern als der Mann bezeichnet, den Gott\nselbst berufen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Summe ist <em>Choosing Donald\nTrump<\/em> ein hilfreiches Buch, das den Hintergrund und die Verzweiflung\nkonservativer Evangelikaler beschreibt, die sie zu dieser ungew\u00f6hnlichen Wahl\ngebracht haben. Mansfields L\u00f6sung einer prophetischen Distanz wird gut und\nanschaulich, aber leider zu knapp beschrieben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Buch stellt ein notwendiges Korrektiv dar. Tiefergehende Fragen nach Definition und Umsetzung der Idee einer Trennung zwischen Kirche und Staat bleiben jedoch unbehandelt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eduard Friesen, Dozent f\u00fcr Dogmatik und Ethik am Bibelseminar Bonn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephen Mansfield: Choosing Donald Trump. 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