{"id":936,"date":"2019-10-21T15:17:38","date_gmt":"2019-10-21T15:17:38","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=936"},"modified":"2019-10-22T21:02:55","modified_gmt":"2019-10-22T21:02:55","slug":"gene-daniels-warick-farrah-hg-margins-of-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=936","title":{"rendered":"Gene Daniels \/ Warick Farrah (Hg.): Margins of Islam"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gene Daniels \/ Warick Farrah (Hg.): <em>Margins of Islam. Ministry in Diverse Muslim Contexts<\/em>, Littleton: William Carey, 2018, Pb., XIX+220&nbsp;S., US&nbsp;$ 15,99, ISBN&nbsp;<a href=\"https:\/\/missionbooks.org\/products\/margins-of-islam\">978-0-87808-066-3<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Es gibt \u201eden\u201c Islam nicht, auch wenn immer wieder vom Islam als einer\neinheitlichen Gr\u00f6\u00dfe gesprochen wird<\/em>. Au\u00dferdem\nh\u00e4lt sich die \u00dcberzeugung bei vielen Menschen scheinbar unersch\u00fctterlich, dass\nsich \u201eder\u201c Islam mit einem bestimmten (aber damit eben auch begrenzten) Zugang\nerschlie\u00dft oder man \u201edie\u201c Muslime versteht. Diese Perspektive hat immer wieder\netwas mit der eigenen Geschichte oder Pr\u00e4gung zu tun. In protestantischen\nKreisen spielt das \u201esola scriptura\u201c eine mehr oder minder gro\u00dfe Rolle und da\nsitzt immer wieder die \u00dcberzeugung sehr tief, dass man mit der Lekt\u00fcre des\n\u201eeinen\u201c heiligen Textes, im unserem Falle des Korans, bei der Besch\u00e4ftigung mit\neiner Religion gut bedient ist. <em>Es ist das besondere Verdienst des\nvorliegenden Buches, dem Leser einen Einblick in die komplexe Wirklichkeit des\nPh\u00e4nomens \u201eIslam\u201c und der Menschen zu geben, die davon gepr\u00e4gt sind oder dieses\nmitpr\u00e4gen und gestalten<\/em>. Der Titel des Buches macht die Vielfalt des Islams\nsowie die R\u00e4nder und auch m\u00f6gliche Grenzen zum Thema. Das trifft die Sache gut.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Beitr\u00e4ge stellen sich dabei der Herausforderung f\u00fcnf Aspekte zu\nbehandeln: eine gute Beschreibung ihres Kontextes; eine Untersuchung dessen,\nwas der Kontext mit dem klassischen Islam gemeinsam hat und was nicht; ein\nNachdenken dar\u00fcber, was der jeweilige Kontext f\u00fcr eine Missionsstrategie\nbedeutet; sowie Fragen zum Nach- und Weiterdenken (xix). Diese strukturelle\nGemeinsamkeit, die vergleichbare L\u00e4nge der einzelnen Kapitel von je ca.&nbsp;10\nBuchseiten und nicht zuletzt die Fragen zum Nach- und Weiterdenken sind eine\nEinladung, das Buch im Unterricht zu gebrauchen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Herausgebern ist es gelungen f\u00fcr diesen Sammelband eine gro\u00dfe\nBandbreite an Perspektiven mit den einleitenden Kapiteln, dreizehn Fallstudien\nund zwei abschlie\u00dfenden bzw. auswertenden Kapiteln zusammenzutragen. In den\nletzten beiden Kapiteln wird \u00fcber die Bedeutung f\u00fcr Mission nachgedacht. Eine\n\u201eadaptive missiology\u201c stellt sich angemessen auf den Kontext ein und begreift\nsich als reflektierender Prozess, der bei aller Komplexit\u00e4t nach\nevangeliumszentrierten Antworten sucht (196). Die Bandbreite der dreizehn\nBeitr\u00e4ge fordert die Leser heraus, insbesondere wenn man auf der Suche nach\nverbindenden Elementen ist. Vielleicht gibt es einen Gedanken, der seine\nBedeutung in allen Beitr\u00e4gen implizit entfaltet. Auf jeden Fall hat sich bei\nmir der Gedanke verfestigt, dass Fragen der Identit\u00e4t und der Zugeh\u00f6rigkeit von\nzentraler Bedeutung sind, wenn man Muslime verstehen will (egal ob sie nun\nreligi\u00f6s sind oder ihre Religion nicht praktizieren). Muslim sein bedeutet eben\nauf grundlegende Weise Teil einer gro\u00dfen Gemeinschaft zu sein, Teil der <em>umma<\/em>\n(vgl. xvii\u2013xviii).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viel wichtiger aber scheint es, dass dieses Buch helfen kann, gute und\nwichtige Fragen zu identifizieren, um Muslime unterschiedlicher Pr\u00e4gung und\nHerkunft zu verstehen und das Evangelium angemessen zu kommunizieren. Die\nSammlung kann als gro\u00dfartige Horizonterweiterung dienen \u2013 wenn dem Leser die\nVielfalt des Islams noch nicht vor Augen steht. Sie dient der Vertiefung und\nist ein bereichernder Baustein im weiterf\u00fchrenden H\u00f6ren und Lernen, wenn man\nbereits ein grundlegendes Wissen mitbringt. <em>F\u00fcr alle Leser h\u00e4lt der\nSammelband immer wieder interessante Beobachtungen, anregende Reflexionen und\nweichenstellende Fragen parat. Er ist also im besten Sinne ein inspirierendes\nBuch<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beitrag von Michael A. Kilgore zu einigen Aspekten des Islam in\nIndonesien ist sehr wertvoll. Ihm gelingt es nicht nur besondere Merkmale\nherauszuarbeiten, sondern die Vielfalt in Indonesien selbst zur Sprache zu\nbringen. So bekommen die Leser einen guten Einblick in wichtige Dynamiken im\nbev\u00f6lkerungsreichsten islamischen Land unserer Welt. An vielen Stellen werden\nsehr hilfreiche Fragen aufgeworfen, wenn etwa der Verfasser dieses Beitrages\n\u00fcber das Verh\u00e4ltnis von traditionellen Elementen auf Java und islamischen\nElementen nachdenkt (112). Wenn traditionelle Elemente dominieren und\nislamische nur hinzuf\u00fcgt werden, wie kann es gelingen, dass das Evangelium\nnicht auch nur einfach zu dem Bestehenden hinzuf\u00fcgt wird? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielfalt des Islam ist immer wieder \u2013 explizit und implizit \u2013 mit\npers\u00f6nlichen Geschichten und einem Einblick in die gr\u00f6\u00dfere Geschichte von\nMuslimen im Land verkn\u00fcpft, wie das der Beitrag von Alan Johnson zu Muslimen in\nThailand (159\u2013170) beispielsweise veranschaulicht. Beachtenswert sind auch\neinige Perspektiven seiner Auswertung. So spricht er von einer steilen\nLernkurve, die denen bevorsteht, die Einheimischen zur Seite stehen wollen,\nwenn sie ihren Weg suchen, wie Nachfolge Jesu in ihrem Kontext gelebt werden\nwill (169). Faszinierend ist auch der kurze Einblick in die \u201eglokale\u201c Welt der\nmuslimischen Jugend (Arthur Brown; 183\u2013194). Das beginnt bereits bei der Frage,\nwas man in verschiedenen Teilen der islamischen Community als Jugend begreift.\nVielfach wird das Ende der Jugendzeit durch die Heirat markiert. Dar\u00fcber hinaus\nwird anhand der kurzen Fallbeispiele und der \u00fcbergreifenden Perspektiven auch\ndie Frage angerissen, was die Zukunft f\u00fcr den Islam bringen mag und mit welchen\nFragen diejenigen konfrontiert sind, die in ihrem Alltag Muslimen begegnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielfalt der lokalen Umst\u00e4nde und Dynamiken sowie der damit\neinhergehenden Perspektiven l\u00e4dt ein, \u00fcber grundlegende Fragen von der\nBezeugung des Evangeliums auf seine unterschiedlichste Art und Weise und manche\nAspekte von Kontextualisierung nachzudenken. Patrick Brittenden zitiert in\nseiner Besch\u00e4ftigung mit dem nordafrikanischen Berberkontext den amerikanischen\nMissiologen Charles Van Engen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eContextualization or inculturation is not the goal but rather an\nepistemological process of seeking to know God in context\u201c (Kontextualisierung\noder Inkulturation ist nicht das Ziel, sondern ein epistemologischer Prozess\nmit dem Ziel, Gott kontextuell zu kennen, 128, \u00dcbersetzung auch im Folgenden\nHW). Wer unter dem Eindruck dieser Vielfalt und der an vielen Stellen kaum zu\n\u00fcbersehenden Widerspr\u00fcchlichkeit die Frage zul\u00e4sst, was nun dann \u201eder\u201c Islam\nist und wie man Muslime (theologisch) beschreiben kann, dem mag das Zitat von\nKenneth Cragg helfen, das Brittenden seinem Beitrag voranstellt: \u201eA Muslim is\nwhat Islam tells them to be and Islam is what a Muslim tells you it is\u201c (Ein\nMuslim ist was der Islam sagt, dass sie sein sollen und Islam ist was ein\nMuslim dir sagt, dass er ist, 119). Genau dort gilt es einzusetzen, um den\nMenschen gerecht zu werden, mit denen man unterwegs ist (vgl. 200). Warrick\nFarah spitzt dies zu, wenn er schreibt: \u201eBiblically based ministry in the\nIslamic world is not about engaging Islam per se, but rather about engaging\nMuslims\u201c (Wenn man Menschen in der islamischen Welt im biblischen Sinne dienen\nm\u00f6chte, geht es nicht um den Islam an sich, sondern um Muslime, 201). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer sich auf dieses Buch und auf die vielf\u00e4ltigen Beitr\u00e4ge einl\u00e4sst, wird einer bunten, eindr\u00fccklichen und herausfordernden Breite und Tiefe begegnen, die zum Nach- und Weiterdenken anregt. Dieses Buch will zeigen, dass \u201eKontext\u201c auch in einer globalisierten Wert immer noch von Bedeutung ist (209), sowie eine Aufgabe f\u00fcr das Verstehen von und die Begegnung mit Muslimen darstellt. Vor allem aber ist es eine Einladung, \u00fcber den Kontext, in dem man selbst steht, nachzudenken, das Arbeitstempo zu verlangsamen und zu entdecken, was Gott schon tut oder tun will (vgl. 219).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Heiko Wenzel, Ph.&nbsp;D. (Wheaton College), Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gene Daniels \/ Warick Farrah (Hg.): Margins of Islam. 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