{"id":940,"date":"2019-10-21T15:20:48","date_gmt":"2019-10-21T15:20:48","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=940"},"modified":"2019-10-22T21:02:36","modified_gmt":"2019-10-22T21:02:36","slug":"christiane-moldenhauer-praktische-theologie-der-bibel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=940","title":{"rendered":"Christiane Moldenhauer: Praktische Theologie der Bibel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christiane Moldenhauer: <em>Praktische Theologie der Bibel. Exemplarische Felder des Bibelgebrauchs in kirchlich-gemeindlicher Praxis<\/em>, Beitr\u00e4ge zu Evangelisation und Gemeindeentwicklung 25, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2018, Pb., XIV+524&nbsp;S., \u20ac&nbsp;60, \u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/praktische-theologie\/7218\/praktische-bibeltheologie\">978-3-7887-3216-5<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem\nvorliegenden, Werk wurde Christiane Moldenhauer 2017 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universit\u00e4t\nin Greifswald promoviert, wo sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei\nMichael Herbst arbeitete. Seit 2019 ist sie als Pfarrerin der Evangelischen\nKirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz t\u00e4tig. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangspunkt\nihrer <em>Praktischen Theologie der Bibel<\/em> ist die Beobachtung, dass von\nSeiten der Kirchen der Bibel eigentlich zwar eine Mittelpunktstellung f\u00fcr das\nkirchliche Handeln zugedacht wird, dies aber im praktischen Vollzug nicht\neindeutig zu erkennen ist (1). Diese Diskrepanz f\u00fchrt Moldenhauer zu dem\nAnliegen, \u201edie \u201aMittelpunktstellung\u2018 der Bibel [\u2026] im praktisch-theologischen\nHorizont neu zu reflektieren und zur Geltung zu bringen sowie f\u00fcr den Gebrauch\nder Bibel in Kirche und Gemeinde fruchtbar zu machen\u201c (10). Dieses doppelte\nAnliegen spiegelt sich auch im Aufbau des Werkes wider. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem\nersten Hauptteil legt Moldenhauer das theologische Fundament, indem sie die\n\u201eGrundlinien eines evangelischen Schriftverst\u00e4ndnisses in\npraktisch-theologischer Perspektive\u201c darstellt und reflektiert (15\u2013145). In\numsichtiger und ausf\u00fchrlicher Weise begr\u00fcndet sie zun\u00e4chst unter R\u00fcckgriff auf\nLuther ihren Standpunkt, dass Theologie nicht \u201eohne Bezug zum biblischen Wort\nzu denken ist\u201c (23), und stellt dann in einem kirchengeschichtlichen \u00dcberblick\ndie Geschichte des evangelischen Schriftverst\u00e4ndnisses dar. Die weiteren\nKapitel dieses ersten Hauptteils sind hermeneutischen und dogmatischen\n\u00dcberlegungen gewidmet, die den Leser umfassend in die Fachliteratur einf\u00fchren\nund differenziert die verschiedenen Aspekte der Bedeutung der Bibel sowohl f\u00fcr\ndie pers\u00f6nliche Spiritualit\u00e4t wie auch f\u00fcr die gemeindliche Praxis beleuchten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten\nHauptteil, der mit 341 Seiten den gr\u00f6\u00dften Teil des Buches ausmacht, geht es\nMoldenhauer um den praktischen Umgang mit der Bibel in verschiedenen\nTeilgebieten der Praktischen Theologie. Die Auswahl der Bereiche f\u00e4llt\nexemplarisch auf Spiritualit\u00e4t, Liturgik, (Gemeinde-)P\u00e4dagogik und\nMedientheologie.\nJedes dieser Kapitel kann in sich als eine eigenst\u00e4ndige Zusammenfassung\n\u201epraktisch-theologischer Konkretionen gelesen werden\u201c (151) und liefert dem\nLeser eine detaillierte Darstellung des jeweiligen Feldes, wobei sich die\nRecherchen in erster Linie auf Literatur aus dem deutschsprachigen Raum\nerstrecken und vornehmlich die landeskirchliche Praxis in den Blick nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In\nAbschnitt A: \u201eEvangelische Spiritualit\u00e4t als Bibelspiritualit\u00e4t\u201c (153\u2013252) wird\ndas Lesen der Bibel \u201eals eine wesentliche Grundform christlicher Spiritualit\u00e4t\nentfaltet, welche es zu \u00fcben gilt\u201c (155). Diesen Standpunkt belegt sie anhand\nverschiedener Theologen, die evangelische Spiritualit\u00e4t eng mit einer\nBibelspiritualit\u00e4t verbinden (wie Dietrich Bonhoeffer, Manfred Seitz, Gerhard\nRuhbach oder auch Richard Foster und John Ortberg). Danach stellt sie die\nwenigen vorhandenen Befunde empirischer Untersuchungen zum Thema\nBibelspiritualit\u00e4t in Deutschland dar und zieht die Schlussfolgerung: \u201eDass\ndieses Verst\u00e4ndnis von (Bibel-)Spiritualit\u00e4t nun allerdings in der Praxis nur\nbegrenzt Verwirklichung findet, ist folglich theologisch nicht beliebig (248).\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In\nAbschnitt B untersucht Moldenhauer den Umgang mit der Bibel im Gottesdienst.\nIhr Ziel ist dabei, herauszufinden \u201ewie der Umgang mit der Bibel im\nGottesdienst die Bibelspiritualit\u00e4t Einzelner wie auch der Gemeinde f\u00f6rdern\nkann (251).\u201c Nach einer theoretischen Grundlegung untersucht sie die\nPerikopenordnung des Evangelischen Gottesdienstbuches (268\u2013304) und gibt\nVorschl\u00e4ge zur m\u00f6glichen Weiterentwicklung (305\u2013320). Dass Moldenhauer konkret\nan einer m\u00f6glichst weitreichenden Wirkung der Bibel im Gottesdienst gelegen\nist, machen ihre Anmerkungen zur konkreten Gestaltung biblischer Lesungen im\nGottesdienst deutlich (321\u2013346). Auch wenn hier vornehmlich der\nlandeskirchliche Kontext reflektiert wird, liefern diese doch auch f\u00fcr den\nfreikirchlichen Gottesdienst hilfreiche Einsichten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der\ndritten praktisch-theologischen Konkretion (C) werden von Moldenhauer\nverschiedene Bibelkurse f\u00fcr Erwachsene analysiert und bewertet (\u201eStuttgarter\nBibelkurs\u201c, \u201eExpedition zum ICH\u201c, \u201eLebens<em>themen<\/em>. Grundkurs biblische\nTheologie\u201c, \u201eEmmaus \u2013 auf dem Weg des Glaubens\u201c, \u201ee100. Entdecke 100\u201c und die\nOnline Ressource <a href=\"http:\/\/www.die-bibel.de\/\">www.die-bibel.de\/<\/a>) sowie\nneun verschiedene Glaubensgrundkurse auf das Vorkommen des Themas \u201eBibel\u201c hin\nuntersucht (349\u2013423). W\u00e4hrend in den letzten Jahren Glaubenskurse in der\nGemeindepraxis aber auch in der praktisch-theologischen Auseinandersetzung\nverst\u00e4rkt Beachtung erfahren haben, ist dies f\u00fcr Bibelkurse nicht der Fall, was\nf\u00fcr Moldenhauer \u201eangesichts des theologischen Ideals von m\u00fcndigen im biblischen\nWort gegr\u00fcndeten und einen lebendigen Umgang mit der Bibel pflegenden\nChristinnen und Christen (351)\u201c eine Diskrepanz darstellt. Sie versucht mit\nihrer Darstellung eine L\u00fccke in der bisherigen Diskussion zu schlie\u00dfen. Als\nHerausforderung sieht sie u.&nbsp;a., bestehende Materialien an die\nMediengewohnheiten der Menschen heute anzupassen und aufzubereiten (422). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der\nvierten Konkretion (D) geht es Moldenhauer um \u201e\u00dcberlegungen zur medialen\nGestalt des biblischen Wortes\u201c (428\u2013485) und sie weist damit auf den\ngrundlegenden medialen Wandel hin, der sich gegenw\u00e4rtig vollzieht. Auch dieses\nKapitel liefert sorgsame theologische Erw\u00e4gungen, die den Leser in die\nDiskussion einf\u00fchren und auf bestehende Herausforderungen aufmerksam machen,\nwie z.&nbsp;B. die Ver\u00e4nderung des Leseverhaltens durch die zunehmende\nDigitalisierung (460\u2013466). Offen bleibt f\u00fcr den Leser in diesem Kapitel die\nFrage, warum der BasisBibel als \u201eBibel\u00fcbersetzung f\u00fcr das Zeitalter der\ndigitalen Medien\u201c einzig ein Abschnitt gewidmet wird (467\u2013476), und nicht z.&nbsp;B.\nauch der BibleApp YouVersion, verschiedenen Bibelverfilmungen oder\nBibel\u00fcbersetzungen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6chte man eine Kritik an diesem insgesamt fundierten und sorgf\u00e4ltig recherchierten Werk \u00e4u\u00dfern, dann vielleicht am ehesten diese, dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr Auswahl der besprochenen Felder f\u00fcr den Leser nicht immer zu erkennen sind und ein ausf\u00fchrliches Schlusskapitel fehlt. Insgesamt besticht diese Arbeit durch gr\u00fcndliches Zusammentragen auch entlegener Quellen zu diesem Thema und differenzierten Beurteilungen. Geht man davon aus, dass jede Erneuerungsbewegung der Kirche untrennbar mit einer Hinwendung zur Bibel verbunden ist, so ist das vorliegende Werk gerade in heutiger s\u00e4kularer Zeit von gro\u00dfer Relevanz. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, dass es trotz seiner hohen Seitenzahl, der ausf\u00fchrlichen theologischen Darstellungen und des Preises, doch von einer breiten Leserschaft aufgenommen wird und dazu beitr\u00e4gt, die Bibel zu einer (neuen) Mittelpunktstellung innerhalb der kirchlichen Praxis zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Judith Hildebrandt, M.&nbsp;Th., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, FTH Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christiane Moldenhauer: Praktische Theologie der Bibel. 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