{"id":950,"date":"2019-10-21T15:28:03","date_gmt":"2019-10-21T15:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=950"},"modified":"2020-04-18T13:00:06","modified_gmt":"2020-04-18T13:00:06","slug":"gerhard-maier-streiflichter-meines-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=950","title":{"rendered":"Gerhard Maier: Streiflichter meines Lebens"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerhard Maier: <em>Streiflichter meines Lebens. Urspr\u00fcnglich sollte Gott gar nicht vorkommen<\/em>, Holzgerlingen: SCM H\u00e4nssler, 2019, geb., 250&nbsp;S., \u20ac&nbsp;17,99, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-haenssler.de\/streiflichter-meines-lebens.html\">978-3-7751-5915-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Altlandesbischof\nGerhard Maier (*&nbsp;30.8.1937) ist als einer der profilierten\nw\u00fcrttembergischen Pietisten neben und nach Fritz Gr\u00fcnzweig und Rolf Scheffbuch\nweithin bekannt. Einige theologische Ver\u00f6ffentlichungen von Maier d\u00fcrfte jeder\nevangelikale Theologiestudent bzw. Pastor schon in der Hand gehabt haben oder\nauch heute noch regelm\u00e4\u00dfig benutzen. Besonders durch seine\nzweiundzwanzigj\u00e4hrige Mitarbeit im T\u00fcbinger Albrecht-Bengel-Haus (in den Jahren\n1973 bis 1995) hat er mit seiner gr\u00fcndlichen exegetischen Arbeit \u00fcber\nW\u00fcrttemberg hinaus eine Generation von Theologen mit gepr\u00e4gt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seinen\nLebenserinnerungen stellt Maier die Einschr\u00e4nkung voran: \u201eDies ist keine\numfassende Biografie. Daf\u00fcr fehlen zu viele Dokumente und Erinnerungen. Ich\nmusste auch vieles auslassen, weil es noch lebende Personen betrifft\u201c (7,\nunpag.). Die fr\u00fche Geschichte von Maiers Vorfahren geht \u00fcber Ulm hinaus,\nwiewohl ihn Eltern und Freunde, die kirchlichen Erfahrungen und die Zerst\u00f6rung\nder Stadt im Zweiten Weltkrieg sehr gepr\u00e4gt haben. Der Klassenbeste (39) begann\nnach dem Abitur ein Jurastudium (40), heiratete seine Frau Gudrun (45), sie\n\u00fcbergaben ihr Leben Jesus (48), er schnupperte in das Studium der Kunstgeschichte\nhinein (51f) und fing dann an, in T\u00fcbingen Theologie zu studieren (54ff). Die\nS\u00f6hne wurden geboren (54), und Otto Michel f\u00f6rderte Maier als Tutor und\nAssistent (59). 1968 begann das Vikariat in Baiersbronn (62ff) mit Maiers\nKandidatur f\u00fcr die Synodalwahl (73ff) und im Fr\u00fchjahr 1973 mit der Anfrage,\nzweiter Studienleiter am Albrecht-Bengel-Haus zu werden (erstmals sogar schon\n1970: 79f). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den T\u00fcbinger\nJahren und dem Bengelhaus widmet Maier das umfangreichste Kapitel seiner\nErinnerungen (Kap. 5, 82\u2013139). Anfangs wurde Maier in T\u00fcbingen von vielen\nStudierenden pietistischer Herkunft und dar\u00fcber hinaus, aber auch von\nUniversit\u00e4tsmitarbeitern abgelehnt. Sein Buch \u201eDas Ende der\nhistorisch-kritischen Methode\u201c hatte ihn f\u00fcr viele im universit\u00e4ren Kontext\nunvermittelbar gemacht (87\u201390). \u201eNebenher\u201c lief die synodale Arbeit (92f), die\nMitarbeit an Edition-C-Kommentaren und der Wuppertaler Studienbibel (98f) und\nweitere Ver\u00f6ffentlichungen wie die \u201eBiblische Hermeneutik\u201c (102f, 224f). Durch\ndie Studentenarbeit im Bengelhaus wurden internationale Kontakte bis nach\nS\u00fcdkorea, Hongkong, Singapur und Indonesien aufgebaut (108\u2013120). Als\nVorstandsmitglied der Deutschen Indianer-Pionier-Mission kam Maier auch nach\nS\u00fcdamerika (120\u2013128), f\u00fcr Gastvorlesungen nach Kenia (128f). Im R\u00fcckblick auf\ndie Zeit im Bengelhaus steht f\u00fcr Maier ein \u201eNein\u201c zur gem\u00e4\u00dfigten Form der\nBibelkritik fest (131f). Dagegen bejaht er in der Pr\u00e4destinationsfrage die\nfreie Zuwendung des Menschen zu Gott oder die freie M\u00f6glichkeit der Ablehnung\n(133f). \u2013 Es ist wohl wenig bekannt, dass sich Vertreter des w\u00fcrttembergischen\nPietismus und weiterer \u201efrommer\u201c Kreise mit dieser Position\nexegetisch-theologisch auf die Seite von Papst Leo X. stellen. Dieser verwirft\nin seiner Bannandrohungsbulle von 1520 ausdr\u00fccklich die 13. These aus der\nHeidelberger Disputation 1518, in der Luther feststellt: \u201eLiberum arbitrium\npost peccatum res est de solo titulo\u201c (WA 1,354,5; Probatio 1,359,32\u2013360,2). In\ndiesem Punkt kann der Rezensent dem Verst\u00e4ndnis Maiers nicht folgen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1995 trat Maier\ndie Ulmer Pr\u00e4latur an (140\u2013163), in deren Rahmen er auch Gottesdienste im\nM\u00fcnster hielt. Zu seiner Aufgabe notiert Maier mit trockenem Humor, vielleicht\netwas \u00fcbertreibend: \u201eDas Hauptwirkungsgebiet eines Pr\u00e4laten lag in Stuttgart,\nin der Mitgliedschaft im Oberkirchenrat, wo er die Abstimmungsergebnisse\nmitbestimmen konnte\u201c (141). Spannend schildert er die Vorg\u00e4nge, durch die es zu\nseiner Wahl als Landesbischof kam (157\u2013162). Die Zeit im Bischofsamt wird im\nzweitl\u00e4ngsten Kapitel des Buchs dargestellt (164\u2013215). In dieser Zeit gab es\nweitere internationale Kontakte, unter anderem nach Osteuropa, in den Kaukasus,\nnach Tansania und wiederum Indonesien (173f, 188\u2013215), Gespr\u00e4che in der EKD und\nmit der VELKD (176ff) sowie Debatten \u00fcber den Islam (181\u2013186) \u2013 um nur einige\nder zahlreichen angesprochenen Themen zu nennen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im letzten Kapitel schildert und reflektiert Maier seine Erfahrungen im Ruhestand seit dem Jahr 2005 (216\u2013242), wie auch in den vorangehenden Kapiteln immer wieder Bezug nehmend auf die Losungen der Herrnhuter Br\u00fcdergemeine (229). Offen \u00fcbt er Kritik an Zentralisierung und problematischen Sparpl\u00e4nen in der Kirche (219f), er denkt nach \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Israel, Judentum und Protestantismus bzw. die Frage der Judenmission (231f), spricht \u00fcber letzte Vorlesungen und Schreibaufgaben (233, 237). Das \u00c4lterwerden (234, 237, 239\u2013242) ist das letzte Thema dieses sehr pers\u00f6nlich gehaltenen Buches, das auf den Leser oft wie ein Gespr\u00e4ch mit dem Verfasser wirkt. Manche Ereignisse und Themen werden unverbl\u00fcmt direkt und deutlich kommentiert, andere nachdenklich weise gedeutet, andere wiederum etwas altersmilde interpretiert. Die zahllosen Begegnungen mit Menschen verschiedenster Kulturen zeigen den weiten Horizont auf, in dem Maier gearbeitet hat. Der anfangs genannten Einschr\u00e4nkung bei der Nennung noch lebender Personen stehen einerseits vornehme und andererseits kritisch-offene und wertende Einlassungen \u00fcber Theologie und Handeln anderer Pers\u00f6nlichkeiten und die Zukunft der Landeskirchen gegen\u00fcber. Gerade die \u2013 auch unterhaltsamen \u2013 reflektierten Zusammenk\u00fcnfte mit anderen Menschen machen Maiers \u201eStreiflichter\u201c wertvoll, wenn auch das Buch nicht umfassend das klassische Thema \u201eLeben und Werk\u201c darstellt: Ein solches Werk m\u00fcsste erst noch geschrieben werden. Zweifellos werden aber schon die \u201eStreiflichter\u201c mehrere Auflagen erleben. Niemand wird daran zweifeln, dass bei diesen Lebenserinnerungen gesagt werden muss: Jeder Theologe, und nicht nur jeder W\u00fcrttemberger (!), sollte sie gelesen haben!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Maier: Streiflichter meines Lebens. 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