Logos 7 Gold (deutsche Version)

Logos 7 Gold (deutsche Version), Bellingham, Washington/USA: Faithlife Corporation, 2018, US $ 1.299,99

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Logos liegt mittlerweile in der Version 7 vor. Getestet wurde die deutsche Version, und zwar das Gold-Paket. Logos gibt an, dass zu diesem Paket insgesamt 737 Bücher bzw. Ressourcen gehören. Es ist jedoch jederzeit möglich, weitere Werke unabhängig von Paketen dazu zu kaufen und sie in seine digitale Bibliothek zu integrieren. Monatlich werden von Logos bestimmte Bücher kostenlos oder vergünstigt angeboten. Außerdem erweitert Logos sein Angebot stetig und auch die eigene Integration anderer Werke ist möglich.

Um es vorweg zu sagen: Logos ist ein ungeheuer vielseitiges und multifunktionales Programm. Es bietet von Hilfestellungen für die persönliche Bibellese (z. B. mit entsprechenden Bibelleseplänen) über die thematische Erarbeitung biblischer Themen bis hin zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Bibeltext eine breite Palette an Möglichkeiten. Das ist sicher eine der wesentlichen Stärken von Logos, macht das Programm aber zugleich sehr komplex. Aus diesem Grund ist ein einfacher und schneller Einstieg mit Logos kaum möglich. Es empfiehlt sich daher, die von Logos angebotenen Videoanleitungen zu nutzen. Leider sind diese bisher nur auf Englisch erhältlich.

Die deutsche Oberfläche ist mittlerweile recht gut in das Programm integriert. Sie erleichtert all jenen die Arbeit, die mit englischen Texten Schwierigkeiten haben. Allerdings bedeutet dies nicht, dass Logos nun ein vollständig „deutsches“ Programm ist. Sehr viele Bücher liegen in englischer Sprache vor, auch wenn die in Deutsch erhältlichen Quellentexte bereits einen sehr großen Umfang haben und auch weiter ausgebaut werden. Dennoch sollten für eine effektive Nutzung Englischkenntnisse vorhanden sein. Das Nebeneinander der beiden Sprachen bringt aber noch andere Schwierigkeiten mit sich. Vor allem wenn Suchbegriffe in Deutsch eingegeben werden, gelingt es Logos (noch) nicht immer, auch die entsprechenden englischen Begriffe zu suchen und bei den Ergebnissen anzuführen. Das funktioniert bei einfachen Suchen relativ gut. So gibt die Suche nach „Gebet“ auch alle Stellen mit „prayer“ an. Bei komplexen Suchen oder in Fällen, in denen es mehrere Übersetzungsmöglichkeiten eines deutschen Wortes in der englischen Sprache gibt (bzw. umgekehrt), sollte man jedoch auch immer einmal nach englischen Äquivalenten suchen. Probleme gibt es auch, wenn ein Begriff gesucht wird, der gleichzeitig als Stichwort und als Name eines biblischen Buches genutzt wird (z. B. Exodus oder Richter). Hier kann es sein, dass nicht alles angegeben wird oder dass man etwas länger suchen muss, bis man das Gewünschte gefunden hat.

Wenn man Logos öffnet, startet dieses zunächst mit dem sogenannten „Home“-Bildschirm (das kann natürlich später in den Programmeinstellungen unter „Werkzeuge“ geändert werden). Diese Startseite kann durch einen einfachen Klick auf das entsprechende Symbol jederzeit aufgerufen werden. Sie ist unabhängig von den Arbeitsbildschirmen. Ein Aufruf der Startseite schließt den Arbeitsbildschirm, den man gerade nutzt, nicht. Die Startseite selbst ist ein sehr gutes Symbol für Logos. Sie ist ungeheuer vielseitig – und zugleich verwirrend. Beim ersten Aufruf wird man von den vielen Fenstern (von denen viele bei jedem Start wechseln, da sie nach dem Zufallsprinzip ausgesucht sind) regelrecht verunsichert. Neben Auszügen aus Büchern und Bibeltexten findet man hier Hinweise auf Internetseiten, aktuelle Informationen zu Logos, eine tägliche Bibellese und vieles mehr. Man kann diese Startseite nach eigenen Wünschen gestalten und angeben, welche Informationen man darauf sehen möchte, aber bis man dorthin gelangt ist, kann schon eine ganze Zeit vergehen. Hier hilft übrigens das Einführungsvideo weiter.

Sehr hilfreich sind die in Logos integrierten Assistenten. Fünf solche Assistenten sind vom Programm her vorgegeben, es können aber eigenständig weitere Assistenten erstellt werden. Ein Assistent dient dazu, die große Fülle an Literatur, die durchsucht werden soll, einzuschränken bzw. zu ordnen und weitere Kriterien vorzugeben, die man natürlich auch bei der jeweiligen Suche selbst angeben könnte.

Der erste Assistent ist der „Bibelstellen-Assistent“. Er sammelt alle Informationen, die es zu einer bestimmten Bibelstelle gibt. Der „Exegese-Assistent“ führt alles an, was zu den hebräischen oder griechischen Worten im Text wichtig ist. Der „Wortstudien-Assistent“ untersucht einzelne Begriffe (in den vorhandenen Sprachen). Der „Predigt-Assistent“ hilft dabei, eine Predigt zu erarbeiten. Der „Themen-Assistent“ schließlich sammelt alles, was zu einem bestimmten Thema wichtig ist. Für die ersten beiden Assistenten gibt es eine Oberfläche für die Arbeit mit Bibeltexten, für die anderen eine für die thematische Arbeit. Diese beiden Oberflächen sind jeweils individuell anpassbar.

Im linken Fenster werden standardmäßig die Suchergebnisse in einer Übersicht aufgeführt. Dabei sind diese nach großen Themen sortiert. Die einzelnen Angaben sind entweder geöffnet oder geschlossen (jeder Bereich enthält eine eigene Suche). Bei der ersten Verwendung sind alle Angaben geöffnet (daher dauert die Suche sehr lange). Man kann jedoch festlegen, welche Bereiche geöffnet werden sollen. Bei der nächsten Verwendung öffnet der Assistent jeweils mit der letzten Einstellung. Da auch nur die geöffneten Bereiche durchsucht werden, wird die Suche selbst dadurch wesentlich beschleunigt. Durch einen Rechtsklick kann man z. B. alle Angaben schließen. Dann ist die nächste Suche sehr schnell und man öffnet nur noch die Bereiche, die einen wirklich interessieren.

Einige Hinweise noch zu den einzelnen Assistenten:

Bibelstellen-Assistent: Im Bereich „Antike Literatur“ werden alle Quellen angezeigt, auch wenn man die jeweilige Quelle nicht besitzt. Das ist eigentlich fast nur hier der Fall (da es sich um eine eigenständige Suche handelt). In einigen Bereichen öffnet sich beim Klicken ein sogenanntes „Faktenbuch“ im rechten Fenster (eine Sammlung aller möglichen Hinweise zum Thema, z. B. wenn man unter „Kulturelle Konzepte“ etwas anklickt). Unter „Mediensammlungen“ werden auch online Medien gesucht, die mit dem Thema etwas zu tun haben.

Exegese-Assistent: Sehr hilfreich ist die „Wort für Wort“ Funktion. Hier bekommt man alle im Text vorkommenden Worte erläutert, wobei man in den Einstellungen zu den „Wort für Wort“ Richtlinien festlegen kann, ab welcher Worthäufigkeit man dies angezeigt bekommen möchte. Man erhält dabei auch bei den Bestimmungen (z. B. Aorist oder Verb) eine Erläuterung der Bedeutung, wenn man mit dem Cursor über das Wort geht. Außerdem werden die Morphologie und die Syntax erläutert. Neben einer allgemeinen Bedeutung wird eine für diese Stelle vermutete Übersetzung angegeben. Und es folgen natürlich auch die Verweise auf die Wörterbücher, über die man in Logos verfügt.

Wortstudien-Assistent: Unter dem Punkt „Übersetzung“ wird das Wort graphisch (in Form eines farblich markierten Ringes) dargestellt in seinen verschiedenen Bedeutungen. Wenn man auf einen Teil des Ringes klickt, erhält man alle Stellen, an denen das entsprechende Wort in dieser Weise übersetzt wird. Klickt man in das Zentrum des Ringes (das Lemma), werden alle Stellen gezeigt, an denen es steht.

Predigt-Assistent: Abhängig von der jeweiligen Bibelstelle erhält man hier z. B. mögliche Predigtthemen vorgeschlagen. Anhand dieser Themen könnte man sich dann tiefer in einen Bibeltext hineinarbeiten, man bekommt (wenn vorhanden) Predigten angezeigt, die zu diesem Text erarbeitet wurden oder kann z. B. Predigten auf der Internet-Seite „Faithlife.com“ ansehen oder –hören.

Themen-Assistent: Hier kann man z. B. in Lexika suchen oder in einem „Faktenbuch“. Im Faktenbuch gibt es weitere Informationen zum gründlichen Studium. Die thematische Suche ist sicher eine der großen Stärken von Logos. Der Themen-Assistent hilft dabei, diese Stärke zu nutzen. Laut Auskunft der Entwickler von Logos ist geplant, das Faktenbuch (derzeit unter „Werkzeuge“ zu finden) langfristig weiter auszubauen, so dass es die Funktionen des Themen-Assistenten übernimmt.

Neben den Assistenten gibt es natürlich auch auf der Startseite selbst eine sehr mächtige und vielseitige Suchfunktion mit vielen Filtermöglichkeiten. Neben der Schnellsuche links oben, die beim Aufschlagen von Bibelstellen oder der Suche nach Themen genutzt werden kann, erreicht man über das Icon der Lupe das eigentliche Suchprogramm. Wichtig ist hier, dass man zunächst die Suche selbst näher definiert. Unter „Basis“ werden alle vorhandenen Werke durchsucht, was jedoch nur selten schnell zum Ziel führt. Um diese Suche zu nutzen, sollte man genauer definieren, welche Bereiche man durchsuchen will (nicht „alles“, sondern diesen Punkt einschränken). Oder man wählt die Suche in Bibeln, Medien, nach Satzgliedern, Morphologie oder Syntax. Je nach gewählter Option erhält man einige sehr hilfreiche Suchhilfen, die für eine zielführende Nutzung dieser überaus mächtigen (und im Übrigen auch schnellen) Suchmaschine wichtig sind. Dabei können Bibelstellen sehr flexibel angegeben werden im Suchfenster. Eine Stelle wie Lukas 12,22 könnte man auch z. B. unter Luke 12:22 oder lk12:22 oder lk12,22 oder lk 12,22 oder lk12 22 oder … finden. Sehr hilfreich ist übrigens, dass Logos in allen Eingabefeldern sofort bei Beginn der Eingabe mögliche Suchbegriffe anbietet, die dann mit einem Klick übernommen werden können.

Wenn man nach einem hebräischen oder griechischen Wort sucht, beginnt man die Suche mit „h:“ oder „g:“ und fügt dann das gesuchte Wort in deutscher Umschrift ein. Allerdings ist das nicht nur von der jeweiligen Aussprache abhängig, sondern es muss eine entsprechende Umschrift verwendet werden. So findet h:asaf zwar das hebräische Wort אסף nicht aber das relativ gleich klingende Wort עזב. Um dieses zu finden, muss man h:azab eingeben. Es gibt also zwar erkennbare Unterschiede zwischen Bet und Pe, Samech und Zajin, aber nicht zwischen Alef und Ayin. Natürlich ist es auch möglich, nach einer Umstellung der Schriftart unter Windows in dem Suchfeld hebräische oder griechische Worte direkt einzugeben. Leider funktioniert diese Umstellung nicht automatisch, wenn man in einer hebräischen oder griechischen Bibel sucht. Am Besten ist es, man verwendet die über das Lupensymbol erreichbare „Suche“. Hier sind die weitaus meisten Suchfunktionen verfügbar.

Neben dem Ikon für die „Suche“ findet sich das Symbol für die Bibliothek. Hier findet man eine Übersicht aller Werke, die man jemals in Logos erworben hat. Die Darstellung kann, ebenso wie die Suche selbst, an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Standardmäßig werden dabei alle Werke angezeigt. Über „Suche in …“ können – was sehr sinnvoll ist – viele verschiedene Einschränkungen vorgenommen werden. Auch Shortcuts können verwendet werden. So kann man z. B. über „Autor:“ nach bestimmten Werken suchen.

Sehr wichtig für die Arbeit mit Logos ist das sogenannte „Priorisieren“ von Texten. Unter dem Menü Bibliothek gibt es diese Möglichkeit. Sie ist allerdings etwas versteckt und klein zu finden im rechten oberen Bereich des Fensters. Hier können die Bibeln, Wörterbücher, Lexika und Kommentare aufgeführt werden, die für die eigene Arbeit am Wichtigsten sind. Diese werden dann auch in allen Suchen und Ergebnislisten vorrangig aufgeführt.

Sehr viele Möglichkeiten bietet auch das Menü „Werkzeuge“. Hier findet man eine Toolbox mit sehr vielen und auch unterschiedlichen Hilfsmittel zur Arbeit mit Logos. So kann man z. B. für ein bestimmtes Buch eine eigene Konkordanz aufbauen. Dafür muss man – je nach verwendetem PC – etwas Zeit mitbringen, erhält danach aber eine komplette Konkordanz zu dem jeweiligen Buch (sinnvoll eigentlich im Wesentlichen bei Bibeln). Das Ergebnis kann man sich dann entweder alphabetisch oder nach der Häufigkeit der Vorkommen anzeigen lassen. Schränkt man den Bereich ein, für den eine erstellte Konkordanz angezeigt wird, kann man z. B. herausfinden, welche Worte in einem bestimmten biblischen Buch wie oft vorkommen. Hat man eine solche Konkordanz erstellt, ist es möglich, diese aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Lemmata (also den griechischen oder hebräischen Wortwurzeln) anzeigen zu lassen. Man kann also ohne Kenntnis der biblischen Ursprachen dennoch eine große Annäherung an den Grundtext erreichen.

Einmal erstellte Oberflächen (z. B. die gewünschte Zusammenstellung von Bibelübersetzungen, Kommentaren und anderen Hilfsmitteln) können abgespeichert und so für die spätere Verwendung gesichert werden. Außerdem speichert Logos auf Wunsch den letzten benutzen Bildschirm im Internet. Auf diese Weise kann eine begonnene Arbeit jederzeit fortgesetzt werden, auch an einem anderen PC. Das funktioniert übrigens auch zwischen PC und Mac.

Angesichts der ungeheuren Vielfalt des Programmes können in einer solchen Besprechung natürlich nur einzelne Aspekte angesprochen werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Logos als ein Programm für die tägliche Arbeit mit der Bibel anbietet. Je öfter man damit arbeitet und je mehr man es an die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Arbeitsstil anpasst, umso mehr kann man aus der Arbeit mit diesem Programm an Gewinn herausholen. Dabei wird die anfängliche Verwirrung durch die vielfältigen Möglichkeiten nach und nach einer Begeisterung über die Flexibilität weichen. Neben BibleWorks (das hauptsächlich für die Arbeit mit Bibeltexten gedacht ist und dessen Weiterentwicklung kürzlich leider eingestellt wurde) und Accordance (das eine ähnliche Fülle an Kommentaren, Bibeltexten und Wörterbüchern aufweist) gehört Logos damit zu den maßgeblichen Programmen für den Alltag mit der Bibel. Aufgrund seiner Vielfalt und Flexibilität eignet es sich ebenso für Theologen und Pastoren wie für den interessierten Laien. Es kann für die wissenschaftliche Arbeit am Bibeltext wie auch die eigene persönliche Bibellese gleichermaßen gewinnbringend verwendet werden. An Mängeln wären nur die schon erwähnte Schwierigkeit beim Start (durch einen überladenen Startbildschirm), die große Komplexität des Programmes an sich (was jedoch – wie gesagt – im Laufe der Zeit zum Vorteil wird), sowie die Schwierigkeiten in der Arbeit mit deutscher Oberfläche und größtenteils englischen Texten zu nennen. Ansonsten eine absolute Empfehlung!

Prof. Dr. Hans-Georg Wünch, Dozent und Studienleiter Theologisches Seminar Rheinland, Wölmersen; Prof. extr. University of South Africa, Pretoria