Sean McDowell (Hg.): Apologetics for an Ever-Changing Culture
Sean McDowell (Hg.): Apologetics for an Ever-Changing Culture. A Biblical and Culturally Relevant Approach to Talking about God, Eugene, OR: Harvest House, 2025, 320 S., kt., US $ 19,99, ISBN 978-0-7369-8928-2
Der vorliegende Sammelband unter der Herausgeberschaft von Sean McDowell (Biola University) versammelt insgesamt 23 Beiträge zur gegenwärtigen christlichen Apologetik – darunter Essays, Interviews und Praxisberichte von Persönlichkeiten aus Theologie, Gemeindearbeit und öffentlichem Leben. Ein Teil dieses Sammelbandes wurde bereits 2009 ebenfalls bei Harvest House unter dem Titel Apologetics for a New Generation veröffentlicht.
Und doch ist es mehr als nur eine Neuauflage, denn jeder Teil wurde nochmals überarbeitet vom damaligen Autor und, wo nötig, wurde für das gleiche Thema ein neuer Autor mit einer aktuellen Sicht gefunden. Die ersten 16 Kapitel dieses Buches sind sehr ähnlich aufgebaut wie die der ersten Version von 2009. Neu in diesem Buch sind zwölf Kapitel zu aktuellen Themen wie Dekonstruktion (Kapitel 12), critical theory (Kapitel 18), psychische Gesundheit (Kapitel 19) und ein Kapitel zur Transgenderdebatte (Kapitel 20). Zudem schließt das Buch mit zusätzlichen Beiträgen zur New-Age-Bewegung, einem Kapitel zu Jesus und einem zur biblischen Autorität. Besonders spannend in diesem Buch ist das elfte Kapitel, in dem Allen Parr aufzeigt, wie man mit Hilfe sozialer Medien und des Internets wirksam und bescheiden Apologetik betreiben kann.
Neben David Kinnaman (Vorwort) und Sean McDowell (Einleitung) haben 29 Personen an diesem Band mitgewirkt. Die meisten bieten eigene, thematische Kapitel. Zwischendurch sind jedoch immer wieder auch spannende Interviews eingebaut, so zum Beispiel mit dem bekannten, apologetischen Journalisten Lee Strobel oder dem atheistischen Journalisten der Zeitung The New Yorker Adam Davidson. Dieses Gespräch ist besonders hilfreich, da Davidson aus einer atheistischen Sicht erzählt, wie er im nordamerikanischen Raum christliche Apologeten wahrnimmt. Dabei kommt er oft auf gängige Missverständnisse zu sprechen, die in diesen Kreisen vorherrschen.
Ziel des Sammelbandes ist es, die Apologetik als theologisch wie praktisch relevante Disziplin in einer säkularisierten, pluralistischen und digital vernetzten Kultur neu zur Geltung zu bringen (14). Der Band versteht sich weniger als dogmatisches Grundlagenwerk, sondern als Wegweiser für eine apologetische Praxis in missionarisch wie pastoral herausfordernden Kontexten (16). McDowell betont in seiner Einleitung die Notwendigkeit einer Apologetik, die nicht nur wahrheitsfähig, sondern auch beziehungsorientiert, demütig und kulturkompetent auftritt. Zudem werden Strategien aufgezeigt, wie man Apologetik in der Familie, bei Freunden, auf der Arbeit und im Internet betreiben kann. Diese Ziele verfolgen alle Autoren mit den unterschiedlichsten Themen, was das Buch zu einem idealen Nachschlagewerk macht. Besonders, wenn man sich nur für einzelne Themen interessiert, kann man diese Kapitel sehr gut isoliert lesen.
Das Buch ist in drei große Bereiche gegliedert. Im ersten Teil (New Culture) finden sich Beiträge, die den Wandel gesellschaftlicher Kommunikationsformen und Wertvorstellungen reflektieren. Teil zwei (New Methods) bietet eine bemerkenswerte Bandbreite an praxisbezogenen Ansätzen. Im letzten Teil (New Challenges) werden aktuelle ethische, gesellschaftliche und weltanschauliche Streitfragen in den Blick genommen.
Ein Vorzug dieses Buches ist die evangelikale Breite, welche die Autoren repräsentieren. Zum einen sind tendenziell progressive Autoren wie Dan Kimball beteiligt, zum anderen ergänzt sich solch eine Sicht mit tendenziell traditionellen Autoren wie Josh McDowell. Die theologischen Unterschiede und Ansichten der Autoren stehen jedoch im Hintergrund, da jeder Autor zum Ziel hat, den Leser mit einer Strategie auszurüsten, in diesem Themenbereich Apologetik zu betreiben, und nicht eine gewisse theologische Meinung verteidigen zu müssen. Zudem ist die Vielfalt dieses Buches enorm spannend, aktuell und abwechslungsreich, sodass sich das Buch nicht nur für Pastoren und Gemeindeälteste, sondern auch für Kleingruppendiskussionen und sonstige Interessierte eignet. Vermutlich findet sich zurzeit kein aktuelles Werk, das so breit und tief den Themenbereich christlicher Apologetik aufnimmt.
Dass sich der Band vorrangig an ein angelsächsisch geprägtes Publikum richtet, zeigt sich unter anderem in der Auswahl der Themen (z. B. starke Betonung von Social Media, „deconstruction“ und „ex-Christian“-Bewegungen). Diese Phänomene prägen zwar zunehmend auch die europäische Religionslandschaft, erscheinen aber in Westeuropa weniger dominant oder laut. Hierzulande verschieben sich apologetische Relevanzfelder meiner Meinung nach stärker in Richtung Schulung von Gläubigen im Bereich Apologetik, Verhältnis von Theologie und Wissenschaft oder Gemeindeentwicklung in säkularem Kontext. Insofern würde eine Rezeption des Bandes im deutschsprachigen Kontext eine kontextsensible Kommentierung und gelegentliche Neuakzentuierung einzelner Themenfelder erfordern.
Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz