Daniel Graf: Unterwegs zu einer Biblischen Theologie

Daniel Graf: Unterwegs zu einer Biblischen Theologie. Perspektiven der Konzeption von Peter Stuhlmacher, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, geb., 374 S., € 60,–, ISBN 978-3-89971-815-7

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Das Buch ist die Promotionsarbeit von Daniel Graf. Er widmet sich mit Peter Stuhlmacher einem wichtigen Neutestamentler, der in seiner Zunft umstritten ist und für Evangelikale einen wichtigen Gesprächspartner und Impulsgeber darstellen kann.

Nach einer kurzen Einordnung der Problemstellung und einer Biografie Stuhlmachers werden im Buch sechs große Themen behandelt, zu denen der Tübinger Theologe sich äußerte und die den Großteil seines Forschens ausmachten: 1. Die Bedeutung des Alten Testaments für die neutestamentliche Exegese. Hier geht es um grundlegende Begriffe wie Evangelium oder Gerechtigkeit Gottes samt ihrer Diskussion im 20. Jahrhundert mit allen unterschiedlichen Positionen, die aufgestellt wurden. War es die Überzeugung der Bultmannschule, die Gerechtigkeit als hellenistischen Begriff zu deuten, gewinnt Stuhlmacher ihre Bedeutung aus alttestamentlich-jüdischer Sicht. Beim Verhältnis von Altem und Neuem Testament ist freilich auch eine Grundfrage der Biblischen Theologie aufgegriffen, sodass man sofort in dieses wesentliche Anliegen Stuhlmachers geführt wird. Im zweiten Kapitel geht es um die hermeneutischen Bemühungen Stuhlmachers, die ihren Niederschlag in seinem Lehrbuch in der Reihe „Grundrisse zum Neuen Testament“ (GNT) und in vielen Aufsätzen fanden. Interessant für evangelikale Leser ist hier die Ausführung zu Schlatters Bedeutung für Stuhlmacher und dessen Diskussion mit Gerhard Maier in den 1970er Jahren. Im dritten und vierten Kapitel geht es um christologische Akzente in Stuhlmachers Theologie, vor allem um die Rückfrage nach dem historischen Jesus und die Deutung des Todes Jesu als Sühnegeschehen. Hier treten viele Überzeugungen zutage, die evangelikale Theologie teilt und die nicht häufig in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Theologie anzutreffen sind. Bevor in Kapitel 6 mit dem Thema „Einheit und Vielfalt im Neuen Testament“ die Darstellung ihren Abschluss findet, wird in Kapitel 5 die Konzeption der „Biblischen Theologie des Neuen Testaments“, Stuhlmachers „opus magnum“, besprochen. Die formulierten Grundsätze sind klar, hilfreich, wichtig und zeigen die Tiefe der Reflexion. Dennoch hätte ich mir gerade an dieser Stelle eine stärkere Betrachtung der beiden Bände von Stuhlmachers Theologie gewünscht. Hier wird letztlich sichtbar, wie die entwickelten theologischen Gedanken für das Verständnis des Neuen Testaments zielführend sein können. Erst hier kann man ausloten, welche theologische Tradition zu den plausibelsten exegetischen Ergebnissen kommt.

Es werden viele relevante theologische Ansätze vorgestellt. Viele grundlegende neutestamentliche Fragen und Forschungsfelder mit entsprechenden Theologen, die man kennen sollte, werden dargestellt, sodass sich das Buch auch für Studierende anbietet, die sich mehr in das Gebiet der Neutestamentlichen Wissenschaft einarbeiten wollen. Das Buch liest sich größtenteils wie eine Theologiegeschichte und berichtet von allen relevanten Entwicklungen. Daniel Graf macht am Beispiel Stuhlmachers deutlich, wie man Theologie im Horizont der gesamten Bibel treiben kann und dies für kirchliche Fragen der Gegenwart relevant sein kann. Es ist schön, dass Daniel Graf mit seinem Buch das geistlich-theologische Erbe eines Mannes vor Augen stellt, der in seiner theologischen Arbeit Schlachten auskämpfte und Siege errang, auf die wir heute aufbauen können. Peter Stuhlmacher ist ein Riese, auf dessen Schultern wir uns stellen können und weit in den Reichtum des Neuen Testaments schauen können.

 

Phil Jordan, Religionslehrer, Doberlug-Kirchhain

 

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