Ralph Kunz/Henning Wrogemann (Hg.): Many Modes – One Goal?
Ralph Kunz/Henning Wrogemann (Hg.): Many Modes – One Goal? Evangelism in Discourse,MuK 7, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2025, Pb., 222 S., € 48,–, ISBN 978-3-374-07917-9
Der vorliegende, auf englisch verfasste Aufsatzband präsentiert die Vorträge der vom Praktologen Ralph Kunz (Zürich) und Missionswissenschaftler Henning Wrogemann (Wuppertal) organisierten internationalen Tagung im Herbst 2024 unter dem sprechenden Titel “Evangelisation: Many Modes – One Goal”. Wie dieses eine, bleibende und der Kirche Jesu Christi ins Stammbuch geschriebene Ziel (vgl. Mt 28), das unter den Beiträgen als Konsens sichtbar ist, nun konkret verwirklicht wird, stellt den thematischen Mittelpunkt dar. Die Aufsätze sind in die drei Abschnitte “Essence of Evangelisation”, “Models of Evangelisation” sowie “Contextual Perspectives” eingeordnet.
Im Folgenden kann nur ein exemplarischer Einblick in die Beiträge des Tagungsbandes erfolgen:
Den Auftakt macht Ralph Kunz, der seinem Aufsatz neben dem namensgebenden Buchtitel den Untertitel “Or How to Evangelise as Evangelicals” beifügt. Kunz beschreibt, dass Evangelisation dazu tendiere, unter den Evangelischen eher zu trennen als zu vereinen. Er konstatiert, dass es kein Agreement gebe, “on how his mission is to be carried out by the una sancta” (13). Anhand der Vorbereitung einer “evangelistic campaign” (21) illustriert Kunz die Herausforderungen einer Veranstaltungsevangelisation: die Frage nach der (Un)verzichtbarkeit eines Rufs zum Altar, die Frage nach Emotionalität und einer Rhetorik, die unter Umständen manipulativ oder suggestiv eingesetzt oder zumindest so wahrgenommen wird. Leitend ist für Kunz das Wissen darum, dass alle evangelistischen Bemühungen im Grunde abhängig von Gott und seiner Verheißung sind, in dieser Welt schöpferisch und heilvoll am Werk zu sein.
Diesen Akzent unterstreicht Markus Weimer mit seiner Betrachtung der Church of England und deren Entwicklung seit den 1980er-Jahren. Damals wurde Canon John Tiller beauftragt, in die Zukunft zu blicken – ähnlich wie es Schriftsteller George Orwell in seinem Buch „1984“ auch tat. Tiller zeigte auf, dass ein „Weiter so“ nicht denkbar ist. Prophetisch formulierte er damals, dass Mission der Auftrag der Kirche sei und deshalb Kirche innovativ, neugierig und in Bewegung sein müsse. Er sprach dabei u. a. auch über die Zukunft der Parochie. Von der Church of England könne man – so Weimer – lernen, wie mit unterschiedlichen theologischen Traditionen produktiv umgegangen werden kann, wie die “Five marks of mission” als breit akzeptierte theologische Basis fungieren und wie sie ein experimentierfreudiges Klima für neue Ausdrucksformen von Kirche bietet. Für Weimer sind dies hilfreiche Formen, die Raum geben für das schöpferische und erneuernde Wirken des Heiligen Geistes.
Philipp Bartholomä, freikirchlicher Professor der FTH Gießen, stellt im Anschluss an eine Aussage von Martin Reppenhagen fest, dass Evangelisation nicht nur der Kirche als Ganzer, sondern auch der lokalen Ortsgemeinde zukommt. Wie Evangelisation hier in einer gewöhnlichen Gemeinschaft aussehen kann, verdeutlicht Bartholomä mit “key principles for church-based evangelism” (122).
Ausgehend von Simon Sineks “Start with Why” zeigt Bartholomä auf, dass es eines starkes Commitments für Evangelisation vor Ort bedarf, bevor mit einer kontextsensiblen Herangehensweise – in Offenheit für Skeptiker und Zweifler – das Evangelium mit dem jeweiligen Kontext in Verbindung gebracht wird. Als “What” schlägt Bartholomä die Etablierung einer Kultur der Gastfreundschaft vor, die reflektiert: “How do people who are scarcely socialised in a Christian context feel when they come across a Christian church culture that is foreign for them?” (130). Bartholomä plädiert final für eine Integration von Elementen der Komm- und Gehstruktur.
Innerhalb der kontextuellen Perspektiven werden vier Studien zu Evangelisation in der Nachbarschaft in Groningen, brasilianischen Christen in den Niederlanden, der chinesischen Untergrundkirche in Südostasien sowie der Situation in Pakistan vorgestellt.
Weitere Beiträge zu diesem Aufsatzband steuerten Drew Collins, Julie Cordeiro, Oleg Dik, Leonie Schweizer, Andreas Rauhut, Stefan Schweyer, Graham Tomlin, Benno van den Toren, Oliver Wright und Zhaoyu Yan bei.
Fazit: Der Aufsatzband bietet ein Kaleidoskop unterschiedlicher Formen und Ansätze für Evangelisation in praktisch-theologischer und interkultureller Perspektive und unterstreicht damit auch die bleibende Bedeutung und immer wieder erforderliche Reflexion des Themas innerhalb der Theologie.
Andreas Schmierer,Pfarrer der Württ. Landeskirche, Studienassistent im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen und Doktorand an der STH Basel