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Wolf Christian Jaeschke: Menschenfischen & Schafeweiden

Wolf Christian Jaeschke: Menschenfischen & Schafeweiden. Die doppelte Berufung der Jesus-Nachfolger, Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2026, geb., 548 S., € 34,50, ISBN 978-3-98665-488-7


Als promovierter Theologe ist Wolf Christian Jaeschke seit 40 Jahren leitender Mitarbeiter bei der Missionsgesellschaft der Navigatoren. Mit dem Buch legt er das Ergebnis seiner jahrzehntelangen theologischen Forschung und praktischen Arbeit vor. Schon aus diesem Grunde ist sein Buch keine schnell formulierte Antwort auf Fragen, die sich aktuell stellen und morgen überholt sind. Jaeschke begründet seine Ausführungen und Argumente biblisch fundiert und theologiegeschichtlich kenntnisreich. Allein die Fülle der Anmerkungen (928) zeigt den weiten Horizont und die intensive Auseinandersetzung mit Theologen, die sich bereits davor mit der Thematik beschäftigt haben. Dabei sind seine Ausführungen keinesfalls theoretisch distanziert, sondern überzeugen dadurch, dass sie sich in der Praxis bewährt haben. Was mich an dem Buch fasziniert, ist die kluge und verständliche theologische Reflektion dieses missionstheologischen Ansatzes, den sich die „Navigatoren“ zu eigen gemacht haben. Der Autor widmet sich den beiden grundlegenden Themen des christlichen Glaubens und nennt sie Glaubensvermittlung und Glaubensvertiefung.

Entsprechend umfasst das Buch die beiden Hauptteile: Glaubensvermittlung: Die extensive Ausbreitung des Evangeliums (Kapitel 3–6) und Glaubensvertiefung: Die intensive Ausbreitung des Evangeliums (Kapitel 7–10). Vorangestellt sind als Ausgangspunkt: Der Missionsbefehl (Kapitel 1) und als Hintergrund: Die Jüngerschaftsbewegung (Kapitel 2). In den Kapiteln 11 und 12 geht es um Schritte der Umsetzung. Es folgen drei Anhänge, in denen Wolf Christian Jaeschke Anregungen zur Glaubensvermittlung und Glaubensvertiefung von C. S. Lewis, Francis Schaeffer und John Nevius weitergibt. In den Abschnitten über Lewis und Schaeffer finden sich hochinteressante Ausführungen zum Thema Apologetik.

Im ersten Hauptteil „Glaubensvermittlung“ geht es Jaeschke zunächst um die verständliche Vermittlung des Evangeliums. Dazu benutzt er die von Roy Robertson und Doug Sparks entwickelte Brückenillustration: Auf der linken Seite steht der Mensch – sündig, sterblich, verloren. Auf der rechten Seite steht Gott – heilig, ewig, selig. Dazwischen sieht man den für Menschen unüberbrückbaren Abgrund, der von dem gekreuzigten Jesus überbrückt wird. Die Einordnung dieser für evangelistische Gespräche sehr hilfreiche Illustration in die Gesamtbotschaft der Bibel gefällt mir ausgesprochen gut. Wolf Christian Jaeschke bezeichnet sie als „die Mitte eines großen Gesamtbildes“. Sie beschreibt das Zentrum der biblischen Botschaft.

Jaeschke diskutiert die wichtige Frage, ob es einen Anknüpfungspunkt beim Menschen für das Evangelium gibt: „Ist das den Menschen verkündete Evangelium die Erfüllung dessen, was in deren bisherigem Glauben und Denken schon angelegt ist (Kontinuität), oder ist es etwas völlig anderes (Diskontinuität)?“ Doch wo liegen die Andockstellen für die Botschaft des Evangeliums? Für Jaeschke – er bezieht sich dabei auf Otto Haendler – ist es die Urangst, die in jedem Menschen steckt. Sie wird niemandem eingeredet, sondern ist a priori mit unserer Existenz verbunden. Bei allem Nachdenken über die Situation des Menschen möchte Wolf Christian Jaeschke das Kreuz im Blick behalten. Er zitiert Wilhelm Busch: „Es stellte sich heraus, dass die Predigt vom Kreuz (also das Thema der Brückenillustration) in der Tat hochaktuell ist. Wenn vom »Frieden mit Gott« (Röm 5,1) gepredigt wird, entdeckt der Mensch, was ihm fehlt und woher seine Nöte kommen. Ich lernte Paulus verstehen: »dass ich nichts wüsste als Jesus Christus, den Gekreuzigten« (1Kor 2,2).“

Ein weiteres Thema, dem sich der Autor zuwendet, ist die Frage nach dem freien Willen. Ist es legitim, zum Glauben einzuladen, wenn der Mensch keinen freien Willen hat? Hier argumentiert Wolf Christian Jaeschke mit Siegfried Kettling: „Der Satz »Komm zu Jesus« kann aber auch auf dem Hintergrund der Erkenntnis vom »unfreien Willen« des Menschen ausgesprochen werden; dann ist er ein Imperativ des Evangeliums. Weil der Schöpfergeist wirkt, ist das gepredigte Wort voller Kraft und Leben.“

Im zweiten Hauptteil „Glaubensvertiefung“ erklärt Jaeschke die „Radillustration“, die auf einen Blick zeigt, wie es zum Glaubenswachstum und zu einem ausgewogenen Leben in der Gemeinschaft mit Jesus Christus kommt. Die Elemente der Radillustration: Der Mittelpunkt ist Christus. Um ihn dreht sich alles im Glaubensleben. Die beiden vertikalen Speichen sind das Gebet und das Wort Gottes. Die beiden horizontalen Speichen sind die Gemeinschaft der Christen und das Bekenntnis des Glaubens. Die Lauffläche beschreibt Jaeschke als die Umsetzung des Christenlebens im Alltag. Dabei geht es um den Gehorsam und um ein Leben von der Mitte her, die Jesus Christus ist. Interessant sind die Ausführungen von Jaeschke zum Thema Gehorsam (Heiligung). Er bezieht sich auf einen Vortrag von Jerry Bridges, der darüber spricht, wie wichtig es sei, dass Christen evangeliumsorientiert und nicht leistungsorientiert leben. Auf einen Schwerpunkt der Navigatoren sei noch hingewiesen. Jaeschke nennt ihn „Erwachsenwerden plus“. Seine Formel für diesen Begriff: Geistliches Erwachsenwerden + geistliches Elternwerden = Erwachsenwerden plus. Es geht darum, dass sich das Evangelium multiplikativ ausbreitet. Begründet wird die multiplikative Ausbreitung des Evangeliums mit 2Tim 2,2: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

Im Epilog schließlich schreibt der Autor: „Anliegen des Buches ist es, die Zentralität des Missionsbefehls ins Bewusstsein der Leser zu rücken und Möglichkeiten für die Teilhabe an seiner Erfüllung aufzuzeigen. Grundlegend ist dabei die Erkenntnis, dass Mission nicht nur eine von vielen möglichen Aktivitäten der Kirche ist, sondern deren Wesen beschreibt. Gern zitiert wird ein Satz des Zürcher Dogmatikers Emil Brunner aus dem Jahr 1931: »Die Kirche existiert durch Mission, so wie Feuer existiert, indem es brennt.«“

Hinter dem eigentümlichen Titel des Buches „Menschenfischen & Schafeweiden“ verbirgt sich eine lesenswerte Theologie der Mission und Evangelisation.


Dirk Scheuermann, Pfarrer, Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus und Leiter des Instituts zur Stärkung von Gemeinden