Religionspädagogik & Katechetik

Andreas Kusch: Gottesgespräch: Hörendes Beten und Bibellesen

Andreas Kusch: Gottesgespräch: Hörendes Beten und Bibellesen. 89 inspirierende Zugänge für die Gemeindearbeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2025, kartoniert, 272 S., 25,- €, ISBN: 978-3-525-40051-7


Mit seinem Buch Gottesgespräch unternimmt Andreas Kusch den Versuch, eine häufig verschlossene Tür im Haus der Glaubenspraxis zu öffnen. Werden Bibellesen und Gebet allzu oft als monologische Kommunikationsformen gedeutet, so ist Kusch an der Dialogizität zwischen Mensch und Gott gelegen. In Anlehnung an Martin Luther wählt er für dieses Phänomen die Metapher des Gesprächs. Und eben dieses Gespräch verdankt sich ihm zufolge zwei Einsichten: Einerseits wird der von Gott ausgestattete Mensch als Kreatur verstanden, der sich auf seinen Schöpfer bezieht. Und sodann ist es Gott, der in Liebe sich dem Menschen zuwendet. Kusch formuliert es wie folgt: „Gottesgespräch entspringt der Gottesliebe“ (24). Erfrischend deutlich weist Kusch darauf hin, dass diese Erfahrung im Heilshandeln Gottes gründet: „Menschen erfahren das Reden, Führen und Verwandeltwerden durch den Heiligen Geist in ihrem Leben und werden dazu befähigt, durch seine energetisierende Kraft ein wahrhaft menschliches, von der Gottesliebe bestimmtes Leben zu führen“ (24). In seinen Überlegungen fokussiert sich Kusch auf zwei vornehmliche Wege, die Stimme Gottes zu vernehmen: das Gebet und das Lesen der Bibel. Mir scheint, es ist diese biblisch begründete Verknüpfung, die maßgeblich zur Überzeugungskraft des Buches beiträgt. Unter Hinweis auf Gerhard Tersteegen, Søren Kierkegaard und Dietrich Bonhoeffer beschreibt er die Bibel als „Liebesbrief“, durch den Gott zu den Menschen spricht. Es ist die Überzeugung, dass „der liebende Gott durch die Bibel als Liebesbrief mit den Lesern eine liebende Begegnung pflegt“ (34). Mit seinem Buch trifft Kusch, so scheint mir, ein wichtiges Desiderat gegenwärtiger Spiritualität. Und nicht nur das. Das Bestreben, Gott sprechen zu lassen und ihn zu hören, bildet ein Urmotiv evangelikaler Frömmigkeit. Nun ist es kein Anliegen des Buches, dies näher nachzuweisen. Eher en passant wird es beim Lesen gewahr. So rekurriert Andreas Kusch etwa auf August Hermann Francke (217), Ludwig Graf von Zinzendorf (138), immer wieder Gerhard Tersteegen (27, 35, 66 u.a.) und in neuerer Zeit etwa auch auf Klaus Bockmühl (25).

       Neben der einleitenden Besinnung zum „Gottesgespräch“ enthält das Buch einen methodischen Teil, der das ungefähr das Vierfache an Umfang aufweist. Insgesamt 89 Zugänge zu Gottes Reden stellt Kusch hier vor. Zweifelsohne ist es dieser Part, der das Buch zu einer wahren Fundgrube für die gemeindepädagogische Praxis werden lässt. Dabei gehört es zur Stärke des Buches, dass es sichtlich bemüht ist, mögliche Methoden nicht auf eine konfessionelle Herkunft zu beschränken. Vom Spaziergang mit allen Sinnen, über das Fasten bis zum Zungengebet findet sich eine große Bandbreite solcher Übungen. Meditative, liturgische sowie charismatische Praktiken werden didaktisch anregend vorgestellt und eingeführt. Bei aller Wertschätzung der gemeindepädagogischen Umsetzung verweigert sich Kusch einem Methodenoptimismus: „Der durch Gott gerechtfertigte Mensch ist dazu befreit, den Glauben immer wieder neu einzuüben und ihm im alltäglichen Lebensvollzug Gestalt zu geben. Gleichzeitig bewahrt die Erfahrung der Rechtfertigung davor, das eigene spirituelle Einüben und das damit verbundene ethische Mühen zu überschätzen“ (20). Klar wird auch, dass das Hören auf Gott keine einsame Angelegenheit sein muss (117). Die vorliegende Publikation ist in ihrer Gesamtheit als ein gemeindepädagogischer Glücksfall zu betrachten, der durch eine Kombination theologischer Tiefe, schriftlicher Dichte und didaktischer Weite gekennzeichnet ist. Gemäß Kusch ist das Hinhören auf Gott eine lebenslange Übung. Es ist jedoch eine, die auf bewährte Methoden nicht verzichten sollte.


Dr. Arndt Schnepper, Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach und Pastor im Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland.